Zwei deutsche Hoffnungsträger, ein Turnier auf Mallorca: Justin Engel und Daniel Altmaier liefern beim Rasen-Comeback starke Auftritte mit ganz unterschiedlichen Geschichten im Gepäck.
Rasen unter den Sohlen, Sonne im Nacken und zwei deutsche Spieler, die auf Mallorca ihre eigenen Duftmarken setzen: Während der 26-jährige Daniel Altmaier in der ersten Runde Fabio Fognini niederrang, bringt der 17-jährige Justin Engel mit Wucht und Charme frischen Wind in die deutsche Tennislandschaft.
Letzterer ist so etwas wie die Teenager-Offensive des deutschen Tennis, angeführt von einem Routinier mit feinem Händchen: Philipp Kohlschreiber. Der ehemalige Weltranglisten-16. erlebt an der Seite von Engel seine Trainerpremiere und zeigt sich beeindruckt. „Er bringt die Power, ich bringe das Wissen“, sagt Kohlschreiber nicht ohne Stolz.
Engel ist nicht einfach nur talentiert. Er ist ein Spieler mit Bühnenpräsenz. Einer, der nicht nervös wird, wenn es groß wird. Er zeigt, was moderner Tennissport verlangt: Kraft, Tempo, Präsenz.
Im vergangenen Oktober schrieb er Geschichte, als er in Almaty als erster Spieler des Jahrgangs 2007 oder jünger ein ATP-Match gewann. Seither rauscht seine Karriere im Tiefflug über alle Beläge hinweg: Sand, Hartplatz, Rasen. Siege auf jedem Terrain. Nur einer war in diesem Alter besser: sein Idol Rafael Nadal.
Auf Mallorca tritt Engel als Wildcard-Starter mit Karrierehoch Nr. 219 im Gepäck auf. Der Teenager aus Nürnberg konnte bereits bei Heimturnieren in Hamburg, München und Stuttgart überzeugen. Drei ATP-Siege hat er dieses Jahr bereits eingefahren. Seine Entwicklung ist rasant, aber nicht kopflos: „Er will manchmal zu viel zu schnell“, sagt Kohlschreiber über ihn. „Ich bin auch da, um ihn zu bremsen.“
Was Engel neben dem Platz zeigt, ist fast ebenso bemerkenswert wie sein Spiel: Er erzählt von neuen Instagram-Followern und präsentiert Kohlschreiber voller Stolz sein Handy. Und der Trainer? Bleibt gelassen. „Er ist eben wirklich noch 17.“
Trotzdem merkt man Engel seine Professionalität an. Er arbeitet hart im Gym, trainiert stundenlang, schlägt mit beiden Händen zu und serviert wie ein alter Hase. Die Herausforderung besteht darin, aus roher Kraft taktische Finesse zu formen. Genau da kommt Kohlschreiber ins Spiel: Erfahrung, Strategie und Spielintelligenz.
Während Engel noch auf dem Sprung ist, hat Altmaier längst bewiesen, dass er zur erweiterten Weltklasse gehört. Der Kempener, der bei den diesjährigen French Open bis ins Achtelfinale stürmte, scheint auch auf Rasen in Tritt zu kommen.
Beim Mallorca Championships bezwang er den Italiener Fabio Fognini mit 6:3, 3:6, 6:3, ein hart erkämpfter Sieg gegen einen trickreichen Veteranen, der per Wildcard ins Hauptfeld gerutscht war.
Altmaier, der in Halle noch gegen Medvedev früh ausgeschieden ist, zeigt damit pünktlich vor Wimbledon (ab dem 30. Juni) ansteigende Form. In der nächsten Runde warten nun Pedro Martinez oder Corentin Moutet, die zwar keine Laufkundschaft sind, aber auch keine unlösbare Aufgabe darstellen.
Was Engel und Altmaier verbindet? Die Lust auf große Bühnen. Der eine steht noch am Anfang seiner Karriere und wird als Teil der #NextGenATP gefeiert, der andere hat sich über Jahre auf der Tour durchgekämpft, mit Rückschlägen, aber auch mit echten Höhepunkten.
Kohlschreiber bringt es auf den Punkt: Engel liebt das Rampenlicht, Altmaier weiß, wie man darin überlebt. Und vielleicht, nur vielleicht, bringt Mallorca ja für beide einen kleinen Karriereschub.
Denn was im warmen Licht der Balearen beginnt, kann schnell bis nach Wimbledon strahlen. Für Altmaier ist es eine Generalprobe, für Engel ein weiterer Schritt auf der Überholspur. Und für das deutsche Tennis? Ein Sommer mit Hoffnung auf mehr.
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