In Hamburg feiert ein 18-Jähriger seinen Durchbruch, in Basel kippt ein Franzose das Machtgefüge der ATP-Elite. Tennis zeigt sich wieder von seiner dramatischsten Seite.
Der Center Court des Hamburg Ladies & Gents Cup bebte am Donnerstag. Kaum ein Platz blieb frei, als der erst 18-jährige Justin Engel dem erfahrenen Cedrik-Marcel Stebe gegenüberstand. Auf der einen Seite stand der Youngster mit grenzenlosem Mut, auf der anderen der ehemalige Davis-Cup-Spieler. Das klang nach einem klassischen Generationenduell. Und genau das wurde es.
Stebe begann, als müsse er nichts mehr beweisen. Nach einem frühen Rückstand übernahm er die Kontrolle, diktierte mit Routine und Timing und gewann fünf Spiele in Serie. Mit 6:2 sicherte sich der Routinier den ersten Satz. Engel hingegen suchte seinen Rhythmus und wirkte zunächst beeindruckt. Doch wer glaubte, die Partie sei gelaufen, irrte sich gewaltig.
Im zweiten Satz wandelte sich die Stimmung. Engel fand Länge und Mut, attackierte Stebes Aufschlag und setzte ihn unter Druck. Zwar wehrte der Linkshänder Breakchancen ab, doch beim Stand von 4:3 packte Engel zu. Ein Satz, der zeigte, dass hier nicht nur Talent, sondern auch Nervenstärke aufblitzte: 6:3.
Dann der dritte Akt, pure Dramatik: Beide hielten ihre Aufschläge mit eiserner Ruhe, das Publikum hielt den Atem an. Beim Stand von 5:6 musste Engel zittern, doch er rettete sich ins Tiebreak, in dem der Teenager groß aufspielte: 7:3, Jubel, Faust, Gänsehaut.
„Mein Aufschlag war heute der Schlüssel“, sagte Engel später. „Er hat mich in kritischen Momenten gerettet.“ Der Youngster wirkte nachdenklich und fast bescheiden, als er ergänzte: „Ich bin schwer ins Match gekommen, aber irgendwann hat’s Klick gemacht.“
Ein Satz, der bleibt, wie das Match selbst. Hamburg hat einen neuen Namen, den man sich merken muss.
Nebenbei sicherte sich Tom Gentzsch (ATP 284) einen Platz im Viertelfinale. Allerdings auf unschöne Weise: Sein Gegner Chris Rodesch musste beim Stand von 7:5, 1:3 aufgeben. Gentzsch blieb fair: „So will man eigentlich nie gewinnen, aber es gehört eben auch dazu.“
Während Hamburg jubelte, bebte Basel. Dort überraschte Ugo Humbert die Tenniswelt mit einem Sieg, den wohl kaum jemand erwartet hatte. Der ungesetzte Franzose eliminierte den Top-Favoriten Taylor Fritz in nur zwei Sätzen. 6:3, 6:4. Ein Statement.
Humbert hatte in den bisherigen Begegnungen gegen Fritz nie gewonnen. Doch an diesem Abend in der St. Jakobshalle lief alles anders. Schon früh im Match setzte der 27-Jährige Akzente: präzise Winkel, linkshändige Eleganz und unerschütterliche Ruhe. Er trug ein frühes Break souverän durch, ließ nur einen Breakball zu und sicherte sich den ersten Satz.
Auch im zweiten Durchgang blieb Humbert unerschütterlich. Beim Stand von 2:2 nutzte er die dritte Gelegenheit, brach Fritz' Aufschlag durch, kontrollierte das Spiel und gewann schließlich das Match. Fritz, der sonst ein Inbegriff von Stabilität ist, fand kein Mittel. Nach 76 Minuten war alles vorbei, entschieden durch eine Rückhand, so klar wie seine Absicht: „Ich bin noch da.”
Im Viertelfinale wartet nun Reilly Opelka, der Botic van de Zandschulp in einem epischen Duell über fast drei Stunden niederrang (7:6, 6:7, 6:3). Für Humbert ist das nächste Kapitel seiner möglichen Cinderella-Story angebrochen. Für Fritz hingegen ist es ein Dämpfer, gerade auf dem Weg Richtung Saisonfinale.
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