Nach elf Jahren im sportlichen Niemandsland sind die Kölner Haie zurück im DEL-Finale, angeführt von einem unerschütterlichen Kapitän und einer Mannschaft, die erst in den Playoffs ihr wahres Gesicht zeigt.
Köln ist wieder im Eishockeyfieber. Nicht das leichte Kribbeln beim Blick auf die Tabelle im November, sondern das glühende, leidenschaftliche „Jetzt oder nie“-Gefühl, das nur die Playoffs mit sich bringen. Elf Jahre mussten die Haie-Fans durchhalten. Elf Jahre, in denen man regelmäßig dachte: „Dieses Jahr wird's was!“ Doch jetzt ist alles anders. Der KEC steht im Finale. Kein Witz.
Dass man überhaupt gegen Bremerhaven und dann gegen Ingolstadt gewinnen würde, hätte vor ein paar Wochen wohl nicht einmal der optimistischste Dauerkartenbesitzer in Block 210 für möglich gehalten. Aber Eishockey schreibt eben Geschichten.
Und mittendrin: Mo Müller. Der ewige Kapitän, das Hai-Tattoo in Menschengestalt. Seit gefühlten Ewigkeiten trägt er das KEC-Trikot, jagt einer Meisterschaft hinterher, die ihm Jahr für Jahr entgleitet. Doch dieses Frühjahr ist anders. Als Müller im Halbfinale gegen Ingolstadt mit seiner ohnehin lädierten Schulter unsanft mit der Bande Bekanntschaft machte und sich vor Schmerzen auf der Bank krümmte, stockte selbst hartgesottenen Fans kurz der Atem. Ohne Mo? Unvorstellbar.
Doch Müller wäre nicht Müller, wenn er nicht einfach zurückkommen würde. Aufs Eis, ins Spiel, in die Köpfe. Machte den Anschluss, mischte beim Ausgleich mit, biss auf die Zähne und sprach nach dem Spiel die Interview-Sprache der Playoffs: „Toller Abend, Teamleistung, Schulter? Alles gut.“ Dass er wahrscheinlich noch im Bus zur Kernspintomographie saß, geschenkt.
Philipp Walter, Geschäftsführer der Haie, steht derweil mit leuchtenden Augen in der Kabine. Der Mann, der früher als Radioreporter jubelnd ins Mikro brüllte, ist heute dafür verantwortlich, dass der KEC wieder die Massen in die Halle lockt. Und jetzt auch sportlich. „Wir geben den Fans endlich etwas zurück“, sagt er und meint es ernst. Köln hat viel durchgemacht mit diesem Verein. Tränen, Trostbier und trostlose Tabellenplätze.
Und jetzt das Finale. Ausgerechnet gegen die Eisbären aus Berlin. Klar, die Haie sind wieder Außenseiter. Aber wenn man sich gegen Bremerhaven und Ingolstadt durchbeißt, kann man auch den Riesen aus der Hauptstadt gefährlich werden.
Was: | Eisbären Berlin - Kölner Haie |
Wann: | 17.04.2025, 20:30 Uhr |
Wo: | UBER Arena, Berlin |
TV/ Stream | MAGENTA SPORT |
Quoten: |
Und dann war da noch Justin Schütz. Der Stürmer mit dem markanten Namen und dem Blick eines Jungen, der weiß, dass es hier gerade um etwas Größeres geht. Wochenlang war er kaum zu sehen, Sorgenfalten statt Scorerpunkte. Doch dann kam diese eine Verlängerung, dieser eine Konter, dieses eine Tor, durch die Beine des Torhüters, direkt ins Glück. Der Moment, in dem eine ganze Halle explodierte und man sich in Deutz kurz fragte, ob das Dach für so viel Jubel gebaut worden war.
Jetzt also alles oder nichts. Wieder Außenseiter, wieder diese Berliner, die immer dann richtig stark sind, wenn es drauf ankommt. Aber vielleicht ist genau das der Kölner Vorteil. Struktur, Disziplin, ein Plan von Trainer Jalonen und ein Hauch von Wahnsinn. Wir sind ein unangenehmer Gegner", sagt Justin Schütz. Und vielleicht, wer weiß, bald auch ein Meister.
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