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Tennis
  1. TENNIS

Ein turbulenter Tag in Ningbo

Drei Grand-Slam- und WTA-1000-Champions, drei Niederlagen: In Ningbo wurde der Dienstag zu einem Tag voller Rückschläge, Überraschungen und kleiner Wunder, bei dem Zhu Lin im Mittelpunkt stand.

Es gibt Turniertage, an denen alles Kopf steht. Der Dienstag beim AUX Ningbo Open war genau so einer: Drei große Namen stiegen in die erste Runde ein, doch alle drei mussten früh die Koffer packen. Marketa Vondrousova, Victoria Mboko und Emma Raducanu scheiterten auf ihre ganz eigene, beinahe tragische Weise.

Zhu Lin: Kampfgeist gegen Schmerzen

Zhu Lin hatte lange auf diesen Moment gewartet. Vor einem Jahr war sie verletzt und musste die gesamte chinesische Turnierserie wegen einer Ellbogenverletzung verpassen. Nun kehrte sie als Wildcard-Spielerin zurück und schrieb prompt ihre eigene kleine Heldengeschichte.

Ihre Gegnerin war Emma Raducanu, die Siegerin der US Open und Liebling der britischen Fans. Doch an diesem Tag war Raducanu mehr Schatten als Champion. Nach einem starken ersten Satz verlor sie zunehmend die Kontrolle über ihren Körper und ihr Spiel. Zwei medizinische Auszeiten, ein schmerzverzerrtes Gesicht und eingeschränkte Bewegungen: Das Publikum in Ningbo litt mit, doch Zhu ließ sich nicht beirren.

Nach dem verlorenen ersten Satz drehte die 31-Jährige das Match. Punkt um Punkt kämpfte sie sich in die Partie zurück, zwang Raducanu zu immer längeren Ballwechseln und gewann schließlich mit 3:6, 6:4 und 6:1.

Die letzten 19 Punkte des Matches waren bezeichnend: Zhu spielte befreit auf, während Raducanu kämpfte und verlor.

„Ich versuche einfach, mein Bestes zu geben“, sagte Zhu nach dem Match bescheiden. Doch hinter diesem Satz stecken monatelange Reha, mentale Stärke und die Entschlossenheit, noch einmal auf der großen Bühne zu glänzen. Ihr nächster Prüfstein ist Mirra Andreeva, die Nummer eins der Setzliste und heiße Anwärterin auf das WTA-Finals-Ticket.

Yastremska beendet ihre Durststrecke

Während Zhu Lin die Zuschauer emotional berührte, ließ Dayana Yastremska ihrer Wut über die letzten Wochen freien Lauf. Nach drei Niederlagen in Folge und einer hartnäckigen Nackenverletzung fand die Ukrainerin gegen Victoria Mboko mit einem 6:3, 7:6(3) endlich zurück zu alter Stärke.

Das Match war ein Wechselbad der Gefühle: 16 Doppelfehler, elf Breaks und unzählige Wendungen. Beide Spielerinnen kämpften mit dem eigenen Rhythmus, doch am Ende hatte Yastremska das größere Feuer im Schläger. Besonders eindrucksvoll: Im zweiten Satz lag sie 2:5 zurück, wehrte vier Satzbälle ab und drehte das Spiel, als hätte jemand einen Schalter umgelegt.

Mit kraftvollen Grundschlägen und einem dominanten Tiebreak beendete sie Mbokos Hoffnungen auf ein Comeback. Für Mboko bleibt damit ein bitterer Trend bestehen. Seit ihrem Sensationstitel in Montreal im August hat sie kein einziges Match mehr gewonnen.

Yastremska darf hingegen wieder hoffen und trifft als Nächstes auf Elena Rybakina, die an Nummer drei gesetzt ist. Der Clou: Sollte Yastremska auch dieses Match gewinnen, würde sie Andreeva den Weg zu den WTA Finals in Riad ebnen.

Freundschaft unter Rivalinnen: Muchova schlägt Vondrousova

Das tschechische Duell zwischen Karolina Muchova und Marketa Vondrousova war eines dieser Spiele, die man am liebsten gar nicht sehen möchte. Zumindest aus Sicht der Spielerinnen selbst. Beide sind Freundinnen und trainieren im selben Club in Prag. Und doch zwang das Los sie zu einem direkten Duell.

Vondrousova, die seit ihrer Knieverletzung bei den US Open nicht mehr gespielt hatte, zeigte anfangs feine Touches und elegante Passierbälle, doch am Ende fehlte ihr die Matchpraxis. Muchova nutzte jede Unsicherheit, dominierte mit präzisen Inside-out-Vorhänden und gewann 6:4, 6:3.

„Das wollten wir beide nicht“, gab Muchova nach dem Match ehrlich zu. „Aber ich bin froh, dass ich in zwei Sätzen durchgekommen bin. Marketa ist sehr talentiert. Ich wünsche ihr, dass sie bald wieder ganz fit ist.“

In der nächsten Runde trifft Muchova auf die junge Russin Diana Shnaider. Es wird ein spannendes Aufeinandertreffen zwischen Erfahrung und jugendlicher Angriffslust sein.

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