Wenn ganz Frankreich feiert, feiern auch die Fans am Straßenrand und ein Ire schreibt im Gelben Trikot Geschichte. Die 10. Etappe der Tour de France war ein Spektakel im Herzen des Landes, voller Emotionen, Dramen und einem überraschenden Führungswechsel.
Am 14. Juli, dem französischen Nationalfeiertag, verschmilzt das Radrennen mit der Nation. Inmitten der Vulkanlandschaften des Zentralmassivs, eingerahmt von leidenschaftlichen Fans und einer elektrisierenden Atmosphäre, wurde die 10. Etappe der Tour de France 2025 zur Bühne großer Dramen. Von Ennezat hinauf zum Puy de Sancy warteten 163 anspruchsvolle Kilometer und acht gnadenlose Bergwertungen.
Die Grande Nation hoffte auf einen Heimsieg. 38 Franzosen standen am Start, doch auch an diesem symbolträchtigen Tag blieb Frankreich ohne Etappenerfolg. Die Begeisterung der Zuschauer war davon unberührt. Schon Tage zuvor hatten viele ihre Plätze an den Anstiegen gesichert, denn die Tour ist eben mehr als ein Rennen, sie ist Volksfest, Mythos und Nationalstolz.
Was sich früh andeutete, wurde zur Sensation: Eine 29-köpfige Ausreißergruppe dominierte die Etappe. Im ständigen Auf und Ab reduzierte sich die Gruppe auf fünf Fahrer, die 15 Kilometer vor dem Ziel mehr als fünf Minuten Vorsprung auf das Hauptfeld hatten. Einer von ihnen war Ben Healy. Ben Healy. Der Ire fuhr nicht nur auf das Podium, sondern auch in das Gelbe Trikot, der erste irische Spitzenreiter seit Stephen Roche im Jahr 1987.
Den Etappensieg schnappte sich Simon Yates, ein Giro-Sieger, der ebenfalls Teil der Fluchtgruppe war. Healy war jedoch der eigentliche Held des Tages. Mit 29 Sekunden Vorsprung auf den Topfavoriten Tadej Pogacar übernahm er die Gesamtführung. Was für ein Tag für den irischen Radsport!
Während an der Spitze gefeiert wurde, forderten die vorherigen Etappen ihren Tribut. So musste der Portugiese Joao Almeida, Pogacars Edelhelfer, nach einem Rippenbruch aufgeben. Auch der Deutsche Georg Zimmermann stieg nach einem heroischen Kampf gegen die Folgen eines Sturzes aus. In der Nacht nach der Etappe zeigten Team und Fahrer Größe: Symptome einer Gehirnerschütterung bedeuteten das sportliche Aus. In einer Disziplin, in der das Leiden oft verklärt wird, war das ein wichtiges Zeichen der Vernunft.
Der Montag war nicht nur ein Tag für Helden in Gelb und Rot, sondern auch für jene im Schatten. Nils Politt, der „Traktor“ im Team von Pogačar, verkörperte die unsichtbare Kraft der Wasserträger. Ohne sie geht bei der Tour de France gar nichts, schon gar nicht über die zähen Anstiege des Zentralmassivs.
Passend ging es durch Volvic, allerdings nur kurz im TV, denn Wassersponsor Vittel duldet keine Konkurrenz.
Die Auvergne zeigte sich von ihrer besten Seite: Vulkanlandschaft, Käsetradition und Rennsportgeschichte vereinten sich in einer der charmantesten Etappen der diesjährigen Rundfahrt. Clermont-Ferrand, die Michelin-Stadt und Heimat alter Formel-1-Legenden, empfing das Feld mit Geschichte und dem Duft von Truffade und Aligot.
Nach diesem Kraftakt durften die Beine am Dienstag ruhen. Doch die Tour bleibt gnadenlos: Am Mittwoch steht eine Sprintetappe auf dem Programm: eine Runde von und nach Toulouse. Ab Donnerstag warten die Pyrenäen. Die Etappe von Lourdes nach Hautacam wird zum Prüfstein für alle, die auf den Gesamtsieg hoffen. Für die Sprinter hingegen heißt es: beten.
Eine Etappe wie ein Film voller Wendungen, Tragödien und Gänsehautmomente. Die Tour de France 2025 ist auf ihrem Höhepunkt angekommen. Und Ben Healy? Er hat sich in Gelb verewigt.
RADSPORT
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bet365 News Team
13 Okt 25
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