Acht Matchbälle abgewehrt, ein Favoritensturz und die Titelverteidigerin auf Kurs: Die US Open liefern packende Geschichten. Wer setzt sich im Viertelfinale durch?
Was macht ein Tennisturnier unvergesslich? Sind es die Favoriten, die ihren Status unter Beweis stellen? Oder sind es die Außenseiter, die mit unglaublichem Kampfgeist Grenzen sprengen? Der Sonntag in Flushing Meadows hat eindrucksvoll gezeigt, dass es beides braucht: Dramen und Überraschungen sowie die unerschütterliche Klasse der Besten.
Beginnen wir mit einer Szene, die in die Turnierchronik eingehen dürfte: Barbora Krejcikova stand gegen Taylor Townsend mit dem Rücken zur Wand. Achtmal war die US-Amerikanerin nur einen Schlag vom Sieg entfernt. Acht Mal wehrte die Tschechin ab, als hinge ihr Tennisleben davon ab. Wer im Louis Armstrong Stadium dabei war, konnte kaum glauben, was sich auf dem Court abspielte. Townsend, getragen vom Heimpublikum, wirkte bereit, den größten Sieg ihrer Karriere einzufahren. Doch Krejcikova hielt stand, kämpfte sich ins Tiebreak, zog das Momentum an sich und drehte das Match tatsächlich noch zu einem 1:6, 7:6 (13), 6:3. Nach 3:14 Stunden stand nicht nur eine Siegerin, sondern auch eine Heldin der Hartplätze fest.
Und als wäre dieses Drama nicht genug, legten die Tschechinnen später nach. Marketa Vondrousova, bereits 2023 Sensationssiegerin in Wimbledon, schickte die hoch gehandelte Elena Rybakina mit einem 6:4, 5:7, 6:2 nach Hause. Es war ein Match voller Wendungen: Zunächst wirkte Vondrousova überlegen, dann fand Rybakina ihre Schlaghärte, bevor die Linkshänderin aus Prag im Entscheidungssatz wieder das Kommando übernahm. Der Lohn: ein Viertelfinale gegen niemand Geringere als Aryna Sabalenka.
Die Titelverteidigerin Sabalenka hatte am Sonntag keinerlei Dramen nötig. Ihr 6:1, 6:4 gegen Cristina Bucsa war vielleicht unspektakulär, in seiner Klarheit aber ein Statement. Dennoch konnte man zwischen den Ballwechseln erahnen: Die Maschine läuft noch nicht ganz fehlerfrei. Nun wartet mit Vondrousova eine Gegnerin, die Sabalenka in der Vergangenheit schon Kopfschmerzen bereitet hat. Wird die Branchenführerin im Viertelfinale an ihre Grenzen stoßen?
Jessica Pegula hat sich derweil ebenfalls souverän in die Runde der letzten Acht gespielt. Die Amerikanerin, die oft als stille Hoffnungsträgerin für die großen Titel gehandelt wurde, ließ Ann Li beim 6:1, 6:2 keine Chance. Ein glatter Sieg, der Selbstvertrauen schenkt und dringend nötig war. Denn nun geht es für Pegula gegen Barbora Krejcikova, die nach ihrer epischen Abwehrschlacht mit Rückenwind in dieses Duell startet.
Die Ausgangslage für das Viertelfinale liest sich also wie eine Einladung zu weiteren emotionalen Geschichten: Sabalenka spielt gegen Vondrousova, die Titelverteidigerin spielt gegen die Wimbledon-Siegerin, Power spielt gegen Taktik. Krejcikova gegen Pegula: Die Nervenstärke der Tschechin trifft auf die Konstanz der Amerikanerin.
Spannender könnte das Tableau kaum sein. Denn hinter jeder Paarung steckt nicht nur ein sportlicher Vergleich, sondern auch eine Frage, die in den kommenden Tagen beantwortet wird. Wer trägt die mentale Stärke durch die Hitze von New York, wer behält in den entscheidenden Momenten die Ruhe?
Das Viertelfinale der US Open verspricht jedenfalls all das, was Tennis so faszinierend macht: das Beben des Publikums bei vergebenen Chancen, das atemlose Staunen nach unglaublichen Ballwechseln und die Gewissheit, dass am Ende immer nur eine weiterkommt. Sabalenka, Vondrousova, Krejcikova, Pegula. Vier Namen, vier Geschichten, von denen jede bald ein weiteres Kapitel schreiben könnte.
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