Novak Djokovic kämpft sich weiter durch das Turnier in Shanghai, angeschlagen, erschöpft, aber unaufhaltsam. Wie lange kann der 38-Jährige dieses Tennismärchen noch weiterschreiben?
Novak Djokovic hat es wieder getan. Der Serbe steht beim Rolex Shanghai Masters zum unglaublichen 80. Mal im Halbfinale eines ATP-Masters-1000-Turniers. In einem intensiven Duell setzte er sich mit 6:3, 6:4 gegen Zizou Bergs durch und schrieb damit erneut Geschichte: Er ist der älteste Spieler, der je ein Halbfinale auf dieser Turnierebene erreicht hat.
Doch der Weg dorthin war alles andere als leicht. Schon im Achtelfinale gegen Jaume Munar hatte Djokovic sichtbar mit den Bedingungen gekämpft: die schwüle Hitze von Shanghai und ein schmerzendes Bein. Und dennoch war da dieser unerschütterliche Wille. Auch gegen den 26-jährigen Belgier Bergs sah man einen Djokovic, der zeitweise mehr überlebte als dominierte.
„Ich wollte ehrlich gesagt einfach nur überleben”, sagte Djokovic nach dem Match mit einem müden Lächeln. Ein Satz, der alles über diesen Nachmittag in China erzählt.
Djokovic begann solide, hielt Bergs mit präzisen Grundschlägen und taktischer Geduld auf Distanz. Doch das Match blieb enger, als es das Ergebnis vermuten lässt. Bergs brachte mit kraftvollen Grundschlägen und aggressiven Returns immer wieder Spannung ins Spiel.
Besonders der zweite Satz wurde zum Prüfstein. Djokovic servierte bereits zum Matchgewinn bei einem Stand von 5:4, doch Bergs startete eine beeindruckende Aufholjagd, nahm ihm den Aufschlag ab und glich aus. In diesem Moment lag eine leise Unsicherheit über dem Center Court: Sollte der große Champion tatsächlich straucheln?
Doch Djokovic wäre nicht Djokovic, wenn er im entscheidenden Moment nicht das Ruder herumreißen könnte. In einem epischen Ballwechsel, der als einer der spektakulärsten des Turniers in Erinnerung bleiben wird, wehrte er mehrere Angriffe des Belgiers ab, darunter vier Smashs und eine wuchtige Volley-Attacke. Anstatt nachzugeben, konterte der Serbe mit stoischer Präzision und brach Bergs Aufschlag erneut. Diesmal ließ er sich die Chance nicht mehr nehmen.
„Ich hätte das Match früher beenden sollen“, gab Djokovic später zu. „Aber Bergs hat fantastisch gespielt, ich war zu passiv. Am Ende zählt nur, dass ich überlebt habe.“
Mit diesem Sieg steht Djokovic nun bei 27:0 in Matches, in denen er den ersten Satz gewonnen hat. Er nähert sich damit seinem nächsten großen Ziel, seinem 41. Masters-1000-Titel, und würde damit eine weitere Bestmarke erreichen, die er selbst schon lange hält. Der letzte dieser prestigeträchtigen Titel datiert aus dem Jahr 2023, als er beim Rolex Paris Masters siegte.
Im Halbfinale wartet nun ein Gegner, mit dem wohl kaum jemand gerechnet hat: Valentin Vacherot. Der Monegasse, der als Qualifikant ins Turnier gestartet war, sorgte mit einem Sensationssieg über den gesetzten Dänen Holger Rune (2:6, 7:6, 6:4) für die Überraschung des Tages.
Was wie ein ungleiches Duell aussieht, könnte zum Prüfstein werden. Vor allem, wenn Djokovic weiterhin Probleme mit seiner Fitness hat. Der Serbe weiß, dass ihm kein Match geschenkt wird, schon gar nicht gegen einen Herausforderer, der nichts zu verlieren hat.
Mit 38 Jahren spielt Djokovic längst nicht mehr nur gegen seine Gegner, sondern auch gegen die Zeit, seinen Körper und die Erwartungen. Jeder Sieg in diesem Alter ist ein Beweis für seine mentale Stärke und seinen unbändigen Ehrgeiz.
Und doch schwingt in all dem Triumph ein Hauch von Endlichkeit mit. Wie oft kann er sich noch „am Leben halten“, wie er selbst sagt?
Sollte Djokovic das Turnier tatsächlich gewinnen, wäre dies nicht nur eine weitere Zahl in der Statistik, sondern ein Kapitel, das zeigt, dass Legenden nicht altern, sondern lediglich die Art und Weise ihres Sieges verändern.
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