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Olympia/Tennis
  1. TENNIS

Djokovic ringt Munar nieder

Schweiß, Schmerz und ein Schreckmoment: In Shanghai wankt Novak Djokovic zwischen Aufgabe und Auferstehung und zeigt, warum er mit 38 Jahren immer noch der zäheste Kämpfer der Tenniswelt ist.

In Shanghai war es kein gewöhnliches Tennismatch, sondern ein Kampf gegen den eigenen Körper. Der 38-jährige Serbe Novak Đoković erreichte am Dienstag zum elften Mal das Viertelfinale des Rolex Shanghai Masters, doch der Weg dorthin glich einem Höllenritt. Sein Gegner Jaume Munar aus Spanien machte ihm das Leben schwer, die Luftfeuchtigkeit von über 80 Prozent tat ihr Übriges und Djokovics linker Knöchel schrie bei jedem Sprint nach Gnade.

Schon im ersten Satz wurde klar: Hier ging es nicht nur um Technik, sondern um pure Willenskraft. Djokovic griff immer wieder zum Eistuch, ließ sich mehrfach behandeln und brach nach dem zweiten Satz erschöpft zusammen. Die Zuschauer hielten den Atem an, als der Serbe am Seitenrand medizinische Hilfe bekam. Ihm stand der Schweiß im Gesicht, seine Hände zitterten.

Doch wer Djokovic kennt, weiß: Aufgeben ist keine Option. Nach dem verlorenen zweiten Satz fand der 40-fache Masters-Sieger irgendwie zurück in den Tunnel. Und dann kam der Moment, der das Match drehte: Beim Stand von 0:0, 40:15 im dritten Satz unterlief Munar ein einfacher Smash-Fehler. Ein verzogener Ball, und plötzlich war Djokovic wieder da. Mit dem Break im Rücken zog er das Tempo an, verkürzte die Ballwechsel und fand zu seiner gewohnten Präzision zurück.

Die Statistiken untermauern, was die Augen sahen: Im entscheidenden Satz erreichte die Vorhand von Djokovic eine durchschnittliche Schlagqualität von 9,6 auf der ATP-Skala bei einer Geschwindigkeit von 135 km/h. Jeder Schlag saß. Der Serbe diktierte das Geschehen, zwang Munar in die Defensive und gewann am Ende mit 6:3, 5:7, 6:2 nach zwei Stunden und 40 Minuten.

Und doch war es kein Triumph der Leichtigkeit, sondern der mentalen Stärke. Djokovic übergab sich mehrfach am Spielfeldrand, stützte sich auf sein Racket und schien dem Zusammenbruch nahe. Dennoch fand er die Kraft, weiterzumachen. Es war eine Szene, die an seine großen Kämpfe in Paris und Melbourne erinnerte, als er bereits abgeschrieben war und dennoch siegte.

Mit diesem Erfolg steht er nun zum elften Mal in elf Auftritten im Viertelfinale von Shanghai. Viermal hat er den Titel hier bereits geholt und ist auch diesmal der höchstplatzierte Spieler im verbliebenen Feld. Nächster Gegner ist der Belgier Zizou Bergs, ein Mann mit viel Tempo und unbändiger Energie, jedoch ohne die Erfahrung des serbischen Dauerbrenners.

Djokovic jagt weiter seinem 41. Masters-1000-Titel hinterher, was seine ohnehin historische Karriere noch einmal krönen würde. Sein letzter Triumph liegt ein Jahr zurück, damals in Paris. 2024 verlor er das Finale in Miami gegen den tschechischen Shootingstar Jakub Menšík, doch in Shanghai zeigt er, dass seine Hungerphase vorbei sein könnte.

In der laufenden Saison steht er bei 34 Siegen und 10 Niederlagen und damit auf Platz drei im „PIF ATP Live Race To Turin“. Der siebenfache Champion der ATP Finals darf also weiter auf die Rückkehr in die Endrunde hoffen. Doch selbst wenn das Jahr noch Wendungen bereithält, eines ist klar: Wer Djokovic in dieser Form erlebt, weiß, dass ihn weder Hitze noch Schmerz oder Übelkeit bremsen können.

Vielleicht war es kein makelloses Spiel. Aber es war ein Meisterwerk der Widerstandskraft. Eine Erinnerung daran, dass Größe im Tennis nicht nur an Pokalen gemessen wird, sondern auch an der Fähigkeit, aufzustehen, wenn der Körper längst „Nein” sagt.

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