Schweiß, Krämpfe und ein Gegner am Limit: Novak Djokovic kämpft sich in Shanghai mit letzter Kraft weiter und zeigt einmal mehr, warum er mit 38 Jahren noch nicht ans Aufhören denkt.
Es war kein glatter Sieg, kein Spaziergang für den serbischen Dauerbrenner, sondern eine dieser Nächte, in denen Novak Djokovic beweisen musste, warum er als einer der größten Kämpfer der Tennisgeschichte gilt. Beim ATP-Masters-1000-Turnier in Shanghai bezwang der 38-Jährige nach fast drei Stunden Spielzeit den deutschen Qualifikanten Yannick Hanfmann mit 4:6, 7:5, 6:3, trotz Krankheit, schier tropischer Bedingungen und eines Gegners, der mutig und furchtlos aufspielte.
„Es ist brutal“, sagte Djokovic nach dem Match über die Bedingungen. „Über 80 Prozent Luftfeuchtigkeit, Tag für Tag. Das zehrt an allem, vor allem, wenn man tagsüber in der Sonne spielt.“ Und doch war es wieder einer dieser Momente, in denen Djokovic das Publikum, die Energie, den Druck und sogar die körperliche Schwäche in pure Willenskraft umwandelte.
Schon im ersten Satz hatte Hanfmann, aktuell Nummer 150 der Welt, den Favoriten eiskalt erwischt. Der Deutsche servierte vier Asse in Folge, variierte clever und zwang Djokovic zu Fehlern, die man sonst nur selten von ihm sieht. Der vierfache Shanghai-Champion wirkte schwerfällig, kämpfte mit seinem Timing und, schlimmer noch, mit seinem Magen. In einer Szene während des zweiten Satzes schien er sich sogar übergeben zu müssen. Ein untrügliches Zeichen, dass an diesem Abend nicht alles stimmte.
Doch wer Djokovic kennt, weiß: Genau in solchen Momenten fängt er an, seine Gegner zu zermürben. Er verkürzte die Ballwechsel und suchte häufiger den direkten Punktgewinn. So fand er nach und nach zu seiner altbekannten Stabilität zurück. Beim Stand von 6:5 im zweiten Satz verwandelte er schließlich seinen Satzball, drehte sich zur tosenden Menge und wirkte, als hätte er soeben ein Finale gewonnen.
Das Publikum im vollbesetzten Stadion stand Kopf, der Abend bekam eine andere Dynamik. Hanfmann, der sich anschickte, als am niedrigsten platzierter Spieler überhaupt Djokovic bei einem Masters-1000-Turnier zu besiegen, verlor kurzzeitig den Faden. Zwar spielte er weiterhin druckvoll, 33 Winner und 13 Asse sprechen eine deutliche Sprache, doch die Präzision ließ nach. Djokovic roch den Bruch, schnappte sich früh das Break im Entscheidungssatz und ließ danach nichts mehr anbrennen.
„Ich bin sehr dankbar, dass ich hier vor so einer leidenschaftlichen Menge spielen darf“, sagte Djokovic nach seinem 2:0-Sieg gegen Hanfmann. „Mit 38 Jahren fast drei Stunden auf dem Platz zu stehen, in einem vollen Stadion, in dem mein Name gerufen wird, das ist ein Traum. Ich kann wirklich nicht mehr verlangen.“
Für Djokovic war es der elfte Einzug ins Achtelfinale von Shanghai bei elf Teilnahmen. Eine Bilanz, die zeigt, wie sehr er dieses Turnier liebt. Sein nächster Gegner ist der Spanier Jaume Munar, der sich zuvor in drei Sätzen gegen Yoshihito Nishioka durchsetzte und erstmals bei einem Masters-Event auf Hartplatz unter den letzten 16 steht. Djokovic führt im direkten Vergleich mit 1:0, doch nach dieser kräftezehrenden Nacht ist die Frage berechtigt: Wie frisch wird er in zwei Tagen sein?
Die Partie gegen Hanfmann dürfte noch nachhallen, körperlich wie emotional. Für den Deutschen war es einer dieser Abende, an denen man trotz Niederlage wachsen kann. Er hatte den Weltranglistenvierten am Rande einer Niederlage, zeigte mutiges Tennis und brachte das Publikum mehrfach zum Staunen.
Djokovic bewies hingegen, dass Routine, Wille und mentale Härte auch 2025 noch entscheidende Waffen sind. Er steht jetzt bei einer Saisonbilanz von 33 Siegen und 10 Niederlagen und zeigt keinerlei Anzeichen, seinen Hunger auf große Titel verloren zu haben. Vielleicht, so schien es an diesem schweißgetränkten Abend in Shanghai, zieht er seine Energie aus solchen Kämpfen, in denen alles gegen ihn läuft.
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