Ein Sturz, ein Comeback und ein Versprechen für die Zukunft: Novak Djokovic steht im Halbfinale von Wimbledon, doch er hat es sich nicht leicht gemacht.
Kann es wirklich noch Überraschungen geben, wenn er auf dem heiligen Rasen von Wimbledon aufläuft? Offenbar ja. Was der serbische Superstar im Viertelfinale gegen den aufstrebenden Italiener Flavio Cobolli erlebte, war nämlich weit mehr als ein Pflichtsieg: Es war ein Krimi mit Ausrutschern, Comebacks und einer großen Portion Drama.
Djokovic, der sich bereits im Achtelfinale nach einem Satzrückstand gegen Alex de Minaur durchgebissen hatte, stolperte erneut. Dieses Mal sogar im wahrsten Sinne des Wortes. Gegen Cobolli, der zum ersten Mal in seiner Karriere in einem Grand-Slam-Viertelfinale stand, verlor der 38-Jährige den ersten Satz und rutschte später auf dem Rasen aus, als er seinen zweiten Matchball nicht verwandeln konnte. Die Szene: Djokovic stürzt auf der Grundlinie, hält sich das Bein, streckt sich, gibt aber nicht auf. Nach einer kurzen Dehnung stand er wieder, als wäre nichts gewesen. Drei Stunden und elf Minuten lang dauerte das Spektakel, ehe Djokovic nach einem 6:7 (6), 6:2, 7:5, 6:4 jubeln durfte.
„Es war ein böser Sturz“, gab Djokovic später zu, „aber das passiert eben auf Gras. Es kam zu einem ungünstigen Zeitpunkt, aber ich konnte mich wieder fangen.“ Der nächste Termin? „Jetzt geht’s erst mal zum Physio.“
Doch nicht nur der Rasen machte Djokovic das Leben schwer, sondern auch sein Gegner. Der 23-jährige Cobolli, der nach monatelangen Schulterproblemen auf Sand in Bukarest und Hamburg triumphiert hatte, wirbelte den Superstar mit seinem kraftvollen Spiel immer wieder durcheinander. Besonders im ersten Satz ließ der Italiener seine Muskeln spielen, nahm Djokovic beim Stand von 5:3 den Aufschlag ab und holte sich den Satz im Tiebreak.
Djokovic war beeindruckt: „Großen Respekt an Flavio! Ich kenne ihn vom Training, aber auf Gras ist das eine ganz andere Geschichte. Er hat unglaublich aufgeschlagen, mutig gespielt und sich hier einen Namen gemacht.“
Und wie! Cobolli, der zum ersten Mal auf dem Centre Court spielte, zeigte keine Scheu, nahm jede Herausforderung an und kämpfte sich im dritten Satz nach einem Break-Rückstand sogar zurück. Beim Stand von 5:5 allerdings flatterten die Nerven. Djokovic nutzte die Schwäche eiskalt, holte das entscheidende Break und zog durch.
Auch im vierten Satz blieb es eng, doch wieder war es Djokovic, der in den entscheidenden Momenten zur Stelle war. Ein misslungener Volley von Cobolli beim Stand von 4:4 brachte den Serben schließlich auf die Siegerstraße. Es war sein 102. Sieg in Wimbledon, ein Wert, der ihn weiter in den Geschichtsbüchern verankert.
Jetzt steht Djokovic vor dem nächsten großen Showdown: Im Halbfinale wartet niemand Geringeres als Jannik Sinner. Der Weltranglistenerste ließ Ben Shelton im Viertelfinale keine Chance und gewann souverän in drei Sätzen. Das Duell gegen Djokovic hat es in sich: Der Italiener führt im direkten Vergleich mit 5:4 und bezwang den Serben zuletzt bei den French Open im Halbfinale. Auf Rasen jedoch spricht die Bilanz klar für Djokovic: Sowohl 2022 als auch 2023 triumphierte er in Wimbledon gegen Sinner.
Es wird ein Match voller Spannung, Emotionen und mit offenem Ausgang sein, zumal Djokovic bei einem weiteren Triumph nicht nur ins Finale einziehen, sondern auch seinem 25. Grand-Slam-Titel näherkommen würde. Zudem könnte er mit einem achten Wimbledon-Titel den Rekord von Roger Federer einstellen.
Die Bühne ist bereitet. Der große Champion wankt, aber er fällt nicht. Noch nicht. Doch Sinner wartet bereits, um ihn zu stürzen.
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