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Olympia/Tennis
  1. TENNIS

Djokovic mit zähem Auftakt

Novak Djokovic ist mit einem Sieg in die US Open gestartet, doch sein Auftritt wirft mehr Fragen auf, als er beantwortet. Kann der 24-fache Grand-Slam-Sieger in diesem Zustand wirklich noch einmal ganz nach oben kommen?

Es wirkte fast wie ein Deja-vu: Ein scheinbar souveräner Beginn, gefolgt von Rätseln, Unsicherheit und der bangen Frage, ob der Körper noch mithalten kann. Novak Djokovic gewann sein Erstrundenmatch gegen den amerikanischen Teenager Leander Tien mit 6:1, 7:6 (3), 6:2, auf dem Papier ein klarer Erfolg. Wer jedoch die gut zwei Stunden im Arthur Ashe Stadium miterlebte, konnte etwas anderes sehen. Der Serbe hat noch einiges an Arbeit vor sich, wenn er in Flushing Meadows erneut triumphieren will.

Ein Blitzstart und dann der Einbruch

Im ersten Satz ließ Djokovic überhaupt nichts anbrennen. Zwei Asse gleich im Auftaktspiel, nur vier unerzwungene Fehler und nach 24 Minuten war der Durchgang mit 6:1 eingetütet. Alles deutete auf eine Lehrstunde für den jungen Tien hin. Doch dann kippte das Bild.

Plötzlich lief der Routinier schwerfällig, seine Beinarbeit wirkte ungewohnt holprig und er schaffte es, ganze 20 leichte Fehler allein im zweiten Satz zu machen. Tien witterte seine Chance, wurde mutiger und hatte beim Stand von 5:4 sogar einen Satzball bei Djokovics Aufschlag. Nur wenige Punkte trennten den Amerikaner von einem Ausgleich, der den Abend in eine völlig neue Richtung hätte lenken können.

Nerven wie Drahtseile!

Gerade in dieser kritischen Phase blitzte jedoch Djokovics Erfahrung auf. „Es war ein seltsames Match. Der erste Satz dauerte 20 Minuten, der zweite 80, der Tiebreak war der Schlüssel“, analysierte er später. Tatsächlich fand er im entscheidenden Moment die Ruhe, zog im Tiebreak davon und stellte auf 2:0-Sätze. Danach wurde es zwar nicht makellos, aber deutlich kontrollierter.

Körperliche Fragezeichen bleiben

Trotz des Sieges blieb ein ungutes Gefühl zurück. Djokovic sprach offen darüber, wie schlecht er sich körperlich gefühlt habe. Er habe keine Verletzung gehabt, aber nach langen Ballwechseln habe ihm die Frische gefehlt. Dazu kam ein blutiger Zeh, der während des Matches neu bandagiert werden musste. Auch ein Sturz im zweiten Satz erinnerte daran, dass seine Balance nicht so stabil war wie gewohnt.

Hinzu kam, dass er sich mehrfach zu seinem Team umdrehte, fast so, als würde er um technische Hinweise bitten. Wer Djokovic kennt, weiß: Das tut er selten ohne Grund.

Tien verpasst die Sensation

Für den 19-jährigen Tien war es dennoch ein Abend zum Lernen. Der 19-Jährige, aktuell auf Platz 50 der Weltrangliste, hat in diesem Jahr bereits vier Spieler aus den Top Ten geschlagen, darunter Daniil Medvedev bei den Australian Open. Doch gegen Djokovic war die Bühne größer und die Nervosität spürbar. 25 unerzwungene Fehler in zwei Sätzen und gleich fünf Doppelfehler kosteten ihn die Möglichkeit, den taumelnden Favoriten tatsächlich zu Fall zu bringen.

Es bleibt die Erkenntnis: Das Talent ist da, doch in den entscheidenden Momenten zählt mehr als nur Schlaghärte.

Blick nach vorn: Ein kleiner Schritt, ein großer Weg

Djokovic hat sich durchgebissen und sich zwei Tage Pause verdient, bevor es am Mittwoch gegen den amerikanischen Qualifikanten Zachary Svajda weitergeht. „Das Positive ist: Ich habe keinen ernsthaften Schmerz. Aber ich muss schauen, wie ich besser durch lange Ballwechsel komme“, meinte er.

Bereits die French Open im Frühjahr hatten gezeigt, dass der Serbe in entscheidenden Matches verletzlich geworden ist. Nun, bei seinem ersten Grand Slam seit Wimbledon, hängt vieles davon ab, wie gut er seine körperlichen Beschwerden in den Griff bekommt.

Zwischen Hoffnung und Zweifel

Kann Djokovic seine Routine nutzen, um sich durch das Turnier zu kämpfen? Oder erleben wir in New York das langsame Nachlassen einer Legende? Solange er die Nerven behält, ist Djokovic nie abzuschreiben. Doch das Match gegen Tien hat gezeigt: Der Weg zum Titel wird diesmal ein Balanceakt zwischen Erfahrung und Erschöpfung, zwischen Können und Körper sein.

Eines ist sicher: Die Tenniswelt wird ganz genau hinsehen, ob Novak Djokovic auch aus diesem holprigen Start eine seiner typischen Triumphgeschichten formt.

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