Novak Djokovic trotzt den Zweifeln, dem Alter und einem gefährlichen Marin Cilic: In Shanghai startet der Serbe mit einem Sieg, der mehr über seine Zukunft aussagt als nur das Ergebnis.
Manchmal sind es die kleinen Gesten, die den großen Unterschied ausmachen. In Shanghai griff Novak Djokovic zu einem altmodischen Mittel: Er streute Sägemehl auf seine Hände, wie einst Ivan Lendl, um der feuchten Luft Herr zu werden. Und siehe da, der 37-Jährige wirkte plötzlich wie einer, der verstanden hat, dass Erfahrung die beste Waffe gegen jugendliche Dynamik sein kann. Gegen Marin Cilic, der das Publikum allein im ersten Satz mit 20 Winnern elektrisierte, musste Djokovic all seine Routine ausspielen.
Der Beginn war holprig. Die Griffigkeit fehlte, der Rhythmus auch. „Mir fehlten Matches. Das letzte war bei den US Open, dann hatte ich direkt so ein schweres Los“, gestand Djokovic nach dem 7:6 (2), 6:4-Erfolg. Cilic sei ein Gegner, der „jeden schlagen kann, wenn er den Ball spürt“. Dass der Kroate ihm keine Atempause gönnte, machte die Aufgabe umso schwieriger. Am Ende waren es sein Aufschlag und seine unnachahmliche Fähigkeit, im entscheidenden Moment die Schraube anzuziehen, die den Serben retteten.
Fast zwei Stunden dauerte das Duell in der Qizhong Forest Sports City Arena, bei dem die Zuschauer jede Djokovic-Aktion mit Jubelstürmen feierten. Unter den Augen von Holger Rune und Hamad Medjedovic erinnerte das Match daran, warum Djokovic noch immer Rekorde sammelt: 20:2 lautet nun seine Bilanz gegen Cilic. Ein beinahe absurder Wert gegen einen ehemaligen Grand-Slam-Sieger.
Doch es ging nicht nur um ein Auftaktmatch. Mit seinem 40. Sieg in Shanghai schrieb Djokovic erneut Geschichte: Er ist der erste Spieler, der bei sechs verschiedenen Masters-1000-Turnieren mindestens 40 Siege feiern konnte. Ein Monument der Konstanz.
Und dann war da noch die Zahl, die dieses Duell so besonders machte: Zusammen waren sie 79 Jahre und 139 Tage alt. Nie zuvor in der Geschichte der Masters 1000 standen sich zwei Spieler in diesem reifen Alter gegenüber. Beide haben ihre Spuren längst hinterlassen: Cilic mit seinem Triumph bei den US Open 2014 und 21 Titeln insgesamt, Djokovic mit unzähligen Rekorden, darunter 428 Wochen als Nummer eins der Welt.
Trotzdem waren es keine sentimentalen Nostalgie-Momente. Djokovic wirkte nach einer kleinen Rückenblessur im zweiten Satz körperlich stabil, spielte druckvoll von beiden Seiten und ließ Cilic im entscheidenden Moment ins Leere laufen. „Großer Respekt für Marin, für alles, was er erreicht hat, und für den Menschen, der er ist“, sagte Djokovic hinterher. „Wir kennen uns so lange. Es ist schön, ihn wieder auf diesem Niveau zu sehen.“
Während Cilic an diesem Abend eher ein Symbol für die Vergangenheit war, ist Djokovic noch immer eine Macht der Gegenwart. Doch seine Saison bei den Masters verlief bisher holprig: frühes Aus in Indian Wells, Monte Carlo und Madrid, nur ein Finale in Miami. Es wirkt fast paradox: Während er bei den Grand Slams jedes Halbfinale erreichte, haperte es ausgerechnet bei den kleineren Zwischenstopps.
Nun ist er aber zurück in Shanghai, einem seiner Lieblingsturniere. Schon schwebt das große Duell in der Luft: Sollte er und Jannik Sinner weiter durchmarschieren, käme es im Halbfinale zum Wiedersehen mit dem Italiener, der ihn 2024 im Finale bezwungen hatte. Zuvor wartet allerdings Yannick Hanfmann, der mit einem Sieg gegen Frances Tiafoe überraschte und für ein weiteres Kapitel voller Dramatik sorgen könnte.
TENNIS
Alexander Zverev steht im Halbfinale: Starker Auftritt gegen Rafael Jodar bei den French Open
Zverev präsentiert sich in Paris weiter in Topform und bleibt nach dem frühen Aus vieler Favoriten der größte Anwärter auf den Titel.
Kim Klos
vor 11 Stunden
TENNIS
Alexander Zverev gegen Rafael Jódar: Datum, Uhrzeit und und wo man das French-Open-Viertelfinale im Fernsehen und im Streaming sehen kann
Rafael Jódar fordert Alexander Zverev in Paris heraus, doch der deutsche Topspieler geht als klarer Favorit ins Viertelfinale. Hier erhalten Sie alle Informationen zur Begegnung.
Kim Klos
02 Jun 26
TENNIS
Zverevs große Chance: Sinners überraschendes Aus gegen Cerúndolo macht die French Open so offen wie selten zuvor
Jannik Sinner ist bei den French Open sensationell in Runde 2 ausgeschieden, Carlos Alcaraz fehlt verletzt, Novak Djokovic ist veraltet und damit öffnet sich für Alexander Zverev wohl die größte Grand-Slam-Chance seiner Karriere.
Kim Klos
28 Mai 26
Wett-Credits nach Abrechnung von Wetten im Wert der qualifizierenden Einzahlung zur Nutzung verfügbar. Gewinne schließen den Einsatz von Wett-Credits aus. Es gelten die AGB, Zeitlimits und Ausnahmen.