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Die größten Sensationen in der ersten Runde des DFB-Pokals

Wenn der Pokal seine eigenen Gesetze schreibt.

Der DFB-Pokal ist seit jeher eine Bühne für Überraschungen, Dramen und verblüffende Sensationen. Nirgendwo sonst im deutschen Fußball kollidieren Hoffnung und Realität derart schicksalshaft wie in der ersten Runde, wenn sich Amateurteams mit den Großen der Bundesliga messen. Der Pokal hat seine eigenen Gesetze, so lautet ein geflügeltes Wort, das sich Jahr für Jahr aufs Neue bestätigt. Das sind die größten Sensationen der ersten Runde des DFB-Pokals:

SC Geislingen – Hamburger SV 2:0 (1984)

Am 1. September 1984 erlebte der DFB-Pokal eine seiner erstaunlichsten Geschichten. Der SC Geislingen, ein kleiner Amateurverein aus der Landesliga Württemberg Staffel 2, empfing den amtierenden Europapokalsieger der Landesmeister, den Hamburger SV. Die Rollen schienen klar verteilt – doch Geislingen widerlegte alle Erwartungen und gewann sensationell mit 2:0. Die Tore erzielten Roland Semm und Jürgen Klawitter, während der große HSV um Uli Stein und Manfred Kaltz chancenlos blieb. Geislingen wurde damit zum Inbegriff des Pokalwunders und zeigte, dass im Fußball alles möglich ist.

FV Weinheim – FC Bayern München 1:0 (1990)

Am 4. August 1990 wurde der DFB-Pokal erneut Zeuge einer Sensation: Der FV Weinheim aus der Oberliga Baden würgte den deutschen Rekordmeister FC Bayern München mit 1:0 aus dem Wettbewerb. Das Tor des Tages erzielte Thomas Schwechheimer in der 26. Minute. Die Bayern, gespickt mit Stars wie Olaf Thon und Michael Rummenigge, fanden kein Mittel gegen die tapfer verteidigenden Weinheimer. Die Freude kannte keine Grenzen; die Fans stürmten nach dem Abpfiff den Platz. Dieses Spiel gilt bis heute als Paradebeispiel für die Unberechenbarkeit des Pokals.

SpVgg Fürth – Borussia Dortmund 3:1 (1990)

Im selben Jahr wie die Bayern hat es auch Borussia Dortmund erwischt. Die Schwarz-Gelben mussten sich in der ersten Pokalrunde mit 1:3 gegen den damaligen Regionalligisten aus Fürth geschlagen geben. Diese Niederlage war umso überraschender, da die Fürther schon nach drei Minuten einen Platzverweis kassierten und fast das komplette Spiel in Unterzahl bestreiten mussten. Oliver Zettl setzte sich mit einem Doppelpack ein Denkmal. Bei den Dortmundern standen Spieler wie Michael Zorc, Flemming Povlsen, Frank Mill oder Thomas Helmer auf dem Platz.

TSV Vestenbergsgreuth – FC Bayern München 1:0 (1994)

Vier Jahre nach der Weinheimer Sensation kam es zu einer weiteren Demütigung des FC Bayern: Der TSV Vestenbergsgreuth, ein Dorfverein aus Mittelfranken, schockte die Münchner mit einem 1:0-Sieg. Am 14. August 1994 erzielte Roland Stein das goldene Tor, während die Bayern um Jean-Pierre Papin und Lothar Matthäus ratlos wirkten. Vestenbergsgreuths Triumph wurde zur Legende und ging als einer der größten „David gegen Goliath“-Momente in die Pokalgeschichte ein.

Dynamo Dresden – Bayer Leverkusen 4:3 (2011)

Eigentlich sollte es für den Champions-League-Aspiranten Bayer Leverkusen ein ruhiger Pokalauftakt gegen Zweitliga-Aufsteiger Dynamo Dresden werden. Doch das Rudolf-Harbig-Stadion erlebte eine denkwürdige Begegnung. Nach 49 Minuten führten die favorisierten Leverkusener bereits mit 3:0. Die Geschichte schien geschrieben – doch dann drehte Dresden auf, traf ab der 68. Minute dreimal zum Ausgleich und rettete sich in die Verlängerung. Dort war es Alexander Schnetzler, der in der 117. Minute doch noch den Siegtreffer für den Underdog erzielte.

Berliner AK – TSG Hoffenheim 4:0 (2012)

Kaum weniger spektakulär verlief das Erstrundenspiel 2012 zwischen Regionalligist Berliner AK und Bundesligist Hoffenheim. Die Kraichgauer hatten gegen den ambitionierten Viertligisten aus Berlin keinen Hauch einer Chance. BAK spielte mit Begeisterung und Effizienz, während die Gäste einen gebrauchten Tag erwischten. Schon zur Halbzeit stand es 3:0 für den Berliner Außenseiter. Besonders auffällig war Offensivspieler Metin Cakmak, der zweimal traf und seine Gegenspieler förmlich schwindelig spielte. Am Ende stand ein sensationelles 4:0 auf der Anzeigetafel, der höchste Sieg eines Amateurvereins gegen einen Bundesligisten in der Geschichte des Pokals.

Sportfreunde Lotte – Werder Bremen 2:1 (2016)

Die Sportfreunde Lotte, zu diesem Zeitpunkt Drittligist, empfingen 2016 den ruhmreichen SV Werder Bremen. Lotte ging bereits mach acht Minuten in Führung. Bremen schlug unmittelbar nach dem Seitenwechsel zurück, die Sportfreunde ließen sich davon aber nicht beirren und wurden in Minute 54 durch den 2:1-Siegtreffer durch Andre Dej belohnt. Der Außenseiter warf einen Traditionsklub aus dem Wettbewerb – ein eindrucksvolles Beispiel für die Magie des Pokals.

SSV Ulm 1846 – Eintracht Frankfurt 2:1 (2018)

Die Eintracht aus Frankfurt reiste als amtierender Pokalsieger und frisch gebackener Europa-League-Teilnehmer nach Ulm. Alles andere als ein klarer Sieg wurde nicht erwartet. Doch der SSV Ulm, Regionalligist, zeigte keine Scheu vor großen Namen. Mit enormer Laufbereitschaft und einem klaren Matchplan stellten die Spatzen die Frankfurter ein ums andere Mal vor Probleme. Bereits in der ersten Hälfte trafen Steffen Kienle und Vitalij Lux für Ulm, ehe Frankfurt erst spät durch Gonçalo Paciência verkürzen konnte. Die Sensation war perfekt: Der Titelverteidiger scheiterte am Viertligisten. Für Ulm war es der wohl größte Triumph nach der Insolvenz und dem Neubeginn.

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