Nur acht deutsche Spieler haben je für Juventus gespielt, von Helmut Haller bis Emre Can erzählen sie eine Geschichte von Titeln, Tragik und taktischer Finesse.
Bis heute haben genau acht deutsche Nationalspieler offiziell das Trikot von Juventus getragen: Helmut Haller, Thomas Häßler, Stefan Reuter, Jürgen Kohler, Andreas Möller, Sami Khedira, Benedikt Höwedes und Emre Can. Viele von ihnen kamen als etablierte Nationalspieler oder Weltmeister, ein klares Signal, dass Juve bei deutschen Profis gezielt auf Qualität statt Masse setzte.
Auffällig: Gerade im Mittelfeld suchte die „Alte Dame“ immer wieder nach deutscher Struktur und Spielintelligenz, von Hallers Kreativität über Häßlers Technik bis zu Khediras und Cans Physis und Taktikstärke. Für Wettfreunde ist diese Historie spannend, weil deutsche Juve-Profis oft genau in Phasen kamen, in denen der Klub nationale Dominanz mit europäischen Ambitionen verband.
Helmut Haller wechselte 1968 von Bologna zu Juventus und war der erste deutsche Weltklassespieler, der in Turin dauerhaft eine Schlüsselrolle einnahm. Der elegante Offensivmann mit dem „brasilianischen Touch“ prägte das Juve-Spiel als kreativer Mittelfeldspieler.
Haller gewann mit Juventus zwei Mal die Serie A und stand 1973 im Finale des Europapokals der Landesmeister gegen Ajax, das knapp verloren ging. In fünf Jahren wurde er zum Symbol des Teams, Juve würdigte ihn später ausdrücklich als einen der prägenden Ausländer der Klubgeschichte.
Thomas Häßler kam 1990 nach dem WM-Titel mit Deutschland vom 1. FC Köln zu Juventus. In Turin spielte er 1990/91 eine Saison, ehe er weiter zur AS Roma wechselte.
Sportlich brachte Häßler feine Technik, starke Standards und Kreativität in den Zwischenräumen ein, musste sich aber an eine defensiv geprägte, taktisch strenge Serie A anpassen. Einen großen Titel holte er mit Juventus nicht, sein größter Triumph jener Zeit blieb der WM-Sieg 1990 mit der Nationalmannschaft, im Klubkontext war die Juve-Phase ein kurzes, aber wichtiges Sprungbrett in Italien.
Stefan Reuter und Jürgen Kohler wechselten beide Anfang der 1990er nach Turin und sollten Juves Defensive auf das nächste Level heben. Reuter, laufstarker Außen- und Defensivallrounder, tat sich mit Verletzungen und einer ungewohnten, defensiveren Rolle schwer und blieb nur eine Saison.
Jürgen Kohler dagegen wurde zu einem der stärksten Innenverteidiger der Serie A. Mit Juventus gewann er 1993 den UEFA-Cup und 1994/95 das Double aus Meisterschaft und Pokal, Höhepunkt einer Ära, in der Juve defensiv zur europäischen Elite aufschloss. Kohler selbst betonte später, sein Herz sei trotz der Dortmunder Champions League-Triumphe „immer Bianconero“ geblieben.
Andreas Möller unterschrieb 1992 bei Juventus und übernahm sofort eine zentrale Rolle als offensiver Mittelfeldspieler hinter den Spitzen. Giovanni Trapattoni rückte sogar Roberto Baggio auf eine zweite Sturmposition, um Möllers Qualitäten im Zentrum maximal zu nutzen, ein klares Qualitätssiegel.
Möllers größter Vereinserfolg mit Juventus war der UEFA Cup-Sieg 1993, bei dem er selbst im Finale gegen seinen späteren Klub Borussia Dortmund traf. In zwei Jahren erzielte er insgesamt 30 Pflichtspieltreffer für Juve, eine herausragende Quote für einen Spielmacher.
Sami Khedira wechselte 2015 ablösefrei von Real Madrid zu Juventus und wurde zum Gesicht der deutschen Juve-Generation. Als box-to-box-Achter verband er taktische Disziplin, Laufstärke und Torgefahr, ideal für die physische, kontrollierte Dominanz der Turiner in der Serie A.
Zwischen 2015 und 2020 gewann Khedira mit Juventus mehrfach die italienische Meisterschaft sowie nationale Pokaltitel und bestritt über 140 Pflichtspiele für den Klub. Er war zentraler Bestandteil jener Ära, in der Juve fast nach Belieben die Liga dominierte und regelmäßig in der Champions League das Halbfinale oder Finale angriff, damit ist er der mit Abstand der deutsche, der die meisten Titel in der Geschichte des Vereins gewonnen hat.
Benedikt Höwedes kam 2017 als Weltmeister von Schalke 04 leihweise nach Turin. Verletzungen bremsten ihn immer wieder, dennoch nutzte Massimiliano Allegri seine Vielseitigkeit als Innen- und Außenverteidiger.
Höwedes gewann in der Saison 2017/18 mit Juventus die Serie A und steuerte dabei wenige, aber solide Einsätze inklusive eines Ligatores bei. In der Wahrnehmung mag sein Beitrag klein wirken, für Juve war er jedoch ein typischer „Tiefe-Transfer“: ein erfahrener, taktisch reifer Defensivspieler, der dem Kader in der heißen Saisonphase Sicherheit gab.
Emre Can unterschrieb 2018 nach Vertragsende beim FC Liverpool bei Juventus und wurde damit der zehnte Deutsche überhaupt, der für den Klub spielte. Der flexible Mittelfeldspieler, der auch in der Dreierkette eingesetzt werden konnte, passte mit seiner Physis und Dynamik gut in Juves Pressing- und Umschaltmomente.
Can gewann mit Juventus die Serie A und kam vor allem in seiner ersten Saison regelmäßig zum Einsatz, bevor Systemwechsel und Konkurrenz im Mittelfeld seine Rolle schmälerten. Auch wenn seine Zeit in Turin kürzer und weniger prägend war als die Khediras, unterstreicht sie den Trend: Wenn Juve deutsche Spieler holt, dann, weil sie auf höchstem Champions-League-Niveau sofort funktionieren sollen.
Die acht Deutschen bei Juventus decken fast alle Rollen ab, vom kreativen Zehner (Haller, Häßler, Möller) über defensive Säulen (Kohler, Reuter, Höwedes) bis zu modernen Mittelfeldmotoren (Khedira, Can). Für Analysen rund um Juve-Spiele zeigt diese Historie: Deutsche Spieler wurden in Turin gezielt als Stabilitäts- und Qualitätsanker für große Titelphasen verpflichtet.
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