Zwei Außenseiter, zwei Sensationen: Während Tschechien die favorisierten USA aus dem Davis Cup kegelt, sorgt Dänemark in Marbella für Staunen. Doch was steckt hinter diesen überraschenden Siegen?
Es war ein Wochenende, das die Tenniswelt so schnell nicht vergessen wird. In Florida und Spanien schrieben zwei Nationen Geschichten, die in Erinnerung bleiben werden: voller Regenpausen, Nervenstärke und unerwarteter Helden.
Samstagabend in Delray Beach gewannen Austin Krajicek und Rajeev Ram das Doppel für die USA, in einem Match, das in seiner Dramatik kaum zu überbieten war. Nach einem 7:6 (6), 5:7, 6:4 schien alles für die Amerikaner zu laufen. 2:1 lag das Team vorne, nur noch ein Sieg trennte sie vom Ticket für die Finalrunde in Bologna.
Doch dann kam Jiri Lehecka. Mit einem klaren Ziel im Kopf betrat er den Court, obwohl seine Bilanz gegen Taylor Fritz katastrophal war. Viermal hatten sie gegeneinander gespielt, viermal hatte der Amerikaner gesiegt. Doch in dieser Nacht wollte Lehecka die Geschichte umschreiben.
Er spielte mutig, attackierte immer wieder den Aufschlag von Fritz und setzte den Top-5-Spieler permanent unter Druck. Am Ende standen 17 Breakbälle auf seinem Konto, drei davon verwandelte er. Das Resultat: 6:4, 3:6, 6:4 und plötzlich stand es 2:2.
Damit war die Bühne frei für Jakub Menšík. Der 23-Jährige, der Anfang des Jahres in Miami seinen größten Titel gefeiert hatte, trat gegen Frances Tiafoe an und dominierte von der ersten Minute an. Am Ende hieß es 6:1, 6:4, und mit einem Schlag war der Traum der USA geplatzt. Um Mitternacht jubelte nicht das Heimteam, sondern Tschechien. Damit war das Ticket nach Bologna gesichert.
Während in Florida die Lichter gerade ausgegangen waren, brannten sie in Marbella umso heller. Dänemark, von vielen als Außenseiter abgestempelt, erwischte Gastgeber Spanien kalt.
Den Anfang machte Holger Rune. Der Weltranglisten-Elfte ließ Pablo Carreño Busta, der einst zur Weltspitze gehörte, kaum ins Spiel kommen. Nach zwei konzentrierten Sätzen hieß es 7:5, 6:3. Ein Pflichtsieg, der Dänemark mit 1:0 in Führung brachte.
Was dann geschah, überraschte jedoch selbst die größten Optimisten im dänischen Team. Elmer Moeller, aktuell nur die Nummer 113 der Welt, stand dem deutlich besser platzierten Jaume Munar (ATP 37) gegenüber. Der erste Satz? Eine klare Angelegenheit für den Spanier. Doch Moeller biss sich zurück, fand seinen Rhythmus und drehte die Partie mit 2:6, 6:1, 6:4.
Am Sonntag geht es mit dem Doppel weiter: Pedro Martínez und Jaume Munar versuchen, die Wende für Spanien einzuleiten, während August Holmgren und Johannes Ingildsen für Dänemark den Sack zumachen wollen. Sollten die Iberer verkürzen, stünden noch zwei packende Einzel auf dem Programm.
Tschechien ist bereits dabei und auch Dänemark steht mit einem Bein im Final 8, gemeinsam mit Italien, Argentinien, Österreich, Deutschland und Frankreich. Das Teilnehmerfeld in Bologna ist schon jetzt hochkarätig besetzt.
Und wer weiß? Vielleicht sind es genau diese Außenseitergeschichten, die später auch beim Finalturnier für Schlagzeilen sorgen. Denn eines hat dieses Davis-Cup-Wochenende gezeigt: Der Favoritenstatus schützt nicht vor Herzblut, Kampfgeist und dem ganz großen Überraschungsmoment.
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