Acht Meistertitel in Serie, ein Star-Trainer mit Mourinho-Vergangenheit und ein Spielstil, der Samba und Struktur vereint: Die Mamelodi Sundowns wollen bei der Klub-WM nicht nur teilnehmen, sondern mitspielen.
Wer nach einer der größten Unbekannten mit dem höchsten Überraschungspotenzial sucht, sollte sich die Mamelodi Sundowns ganz genau ansehen. Der südafrikanische Serienmeister ist nicht nur das erfolgreichste Team seines Landes, sondern auch eine Mannschaft mit klarer Vision, wuchtigem Selbstverständnis und einem Taktgeber aus Europa, der genau weiß, wie internationale Turniere funktionieren.
Seit Mai 2024 sind die Sundowns zum achten Mal in Folge südafrikanischer Meister – ein Rekord, der die bisherigen Größen des Landes, wie die Orlando Pirates und die Kaizer Chiefs, inzwischen wie Traditionsvereine mit Vergangenheit aussehen lässt. Mit 15 Meistertiteln haben die Sundowns inzwischen mehr als doppelt so viele Titel wie die beiden Rivalen aus Soweto. Möglich macht das vor allem der Rückhalt durch Clubbesitzer Patrice Motsepe: milliardenschwerer Unternehmer und Präsident des afrikanischen Fußballverbandes CAF. Den operativen Betrieb hat er an seinen Sohn Tlhopie übergeben, die Ambitionen sind jedoch geblieben.
Auf dem Kontinent sind die Sundowns seit Jahren eine feste Größe. Sie haben in den vergangenen sieben Saisons stets mindestens das Viertelfinale der CAF Champions League erreicht, was ihre Konstanz belegt. In diesem Jahr schafften sie es sogar bis ins Finale, scheiterten dort jedoch unglücklich mit 2:3 an den Pyramids aus Ägypten. Das Ziel bei der Klub-WM ist klar: sich endlich auch auf globaler Bühne zu beweisen.
Dass sie dabei auf Borussia Dortmund, Fluminense und Ulsan Hyundai treffen, ist kein Grund zur Nervosität – im Gegenteil! Der Auftakt gegen Ulsan Hyundai wird zur Weichenstellung. Denn der Kader der Sundowns ist nicht nur erfahren, sondern auch eingespielt. Viele Spieler bildeten den Kern der südafrikanischen Nationalmannschaft, die bei der Afrika-Meisterschaft 2024 das Halbfinale erreichte. Für das kommende Turnier in Marokko gelten die „Brazilians“, wie die Sundowns aufgrund ihrer gelb-blauen Trikots genannt werden, als Mitfavoriten. Auch die WM-Qualifikation 2026 sieht vielversprechend aus.
Spielerisch verbinden die Sundowns Tradition mit Pragmatismus. Das legendäre „shoeshine and piano“, eine Art südafrikanisches Tiki-Taka, gehört zur DNA des Klubs. Viel Ballbesitz, kurze Pässe, Spielkontrolle. Seit der Verpflichtung von Trainer Miguel Cardoso im Dezember 2024 ist allerdings mehr Struktur und Disziplin ins Spiel gekommen. Der Portugiese, der zuvor mit Esperance Tunis die tunesische Liga gewann und Teams wie Rio Ave, Celta Vigo und AEK trainierte, hat das Team defensiv stabilisiert und Standardsituationen als strategisches Mittel etabliert. Seine Herkunft aus der Mourinho-Schule beim FC Porto zeigt Wirkung, auch wenn Puristen im Umfeld den Stilwechsel kritisch sehen. Fakt ist: Cardosos Handschrift bringt Ergebnisse.
Auch personell haben die Sundowns einiges zu bieten. Mit Lucas Ribeiro steht der Torschützenkönig der südafrikanischen Liga im Kader. Der Brasilianer, der einst in Belgien bei Beveren spielte, steuerte zuletzt 16 Tore bei. An seiner Seite agiert der chilenische Spielmacher Manuel Allende, der beinahe bei Arsenal gelandet wäre, bevor ihn seine Karriere über Mexiko und Uruguay nach Südafrika führte. Doch der wahre Liebling der Fans ist ein anderer: Kapitän Themba Zwane ist 35 Jahre alt, gerade erst von einem Achillessehnenriss zurück und das emotionale Zentrum des Teams.
Und es wächst bereits die nächste Generation heran: Der 24-jährige Jayden Adams, der im Sommer von Stellenbosch kam, gilt als kommender Schlüsselspieler und wird mit der Legende Zwane verglichen. Er bringt frischen Wind und ist gleichzeitig erfahren, ein Muster, das für Turniere wie die Klub-WM prädestiniert ist.
Kurioses gibt es bei den Sundowns übrigens auch: Nach der Übernahme durch Motsepe im Jahr 2003 heuerte der Klub kurzzeitig Hristo Stoichkov und später Johan Neeskens an, große Namen mit großer Wirkung. Kritiker werfen dem Klub zwar vor, die Liga durch seine Finanzkraft zu verzerren, ähnlich wie Bayern München in Deutschland. Doch dabei wird oft vergessen: Die Sundowns waren bereits vor dem Einstieg des Milliardärs ein erfolgreicher Klub mit Titeln und Struktur. Zudem repräsentieren sie mit Mamelodi eine eigene Township-Kultur, fernab der medialen Dauerpräsenz von Soweto.
Die Klub-WM ist für die Sundowns also mehr als nur ein weiteres Turnier. Es ist die Gelegenheit zu zeigen, wozu afrikanischer Vereinsfußball heute fähig ist: mit Planung, Stil und einem klaren Konzept. Wer sie unterschätzt, wird es bereuen.
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