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Olympia/Tennis
  1. TENNIS

Das Finale der Cousins

Zwei Cousins, ein Finale und eine Geschichte, die selbst Hollywood nicht besser schreiben könnte. Wer triumphiert in Shanghai: der Franzose Arthur Rinderknech oder der Monegasse Valentin Vacherot?

Was gestern noch wie eine verrückte Tennisfantasie klang, wird heute Realität: Die Cousins und ehemaligen College-Teamkollegen Arthur Rinderknech und Valentin Vacherot stehen sich im Finale des Shanghai Masters gegenüber. Beide haben das erreicht, wovon sie nicht einmal zu träumen wagten und das auf einer Bühne, die größer kaum sein könnte.

Rinderknech bringt es auf den Punkt: „Es ist ein undenkbarer Traum. Selbst in unserem größten Traum hätten wir uns das nie vorstellen können.“ Und tatsächlich hätte niemand auf der Tour dieses Drehbuch vorhergesehen. An einem einzigen Wochenende warfen die beiden jeweils einen ehemaligen Weltranglistenersten aus dem Turnier: Vacherot besiegte Novak Djokovic. Rinderknech kämpfte Daniil Medvedev nieder.

Ein familiäres Finale

Wenn am Sonntag in Shanghai die Linienrichter rufen, stehen sich zwei Männer gegenüber, die schon unzählige Male auf dem Platz standen, doch diesmal geht es um alles. Zwei Jahre lang spielten sie gemeinsam am Texas A&M College, trainierten Seite an Seite, teilten Zimmer, Siege und Niederlagen. Dass sie sich eines Tages in einem Finale des ATP-Masters 1000 wiedersehen würden, war unvorstellbar.

Rinderknech, 30 Jahre alt, ist der erfahrenere der beiden. 2022 stand er bereits einmal in einem ATP-Finale in Adelaide und erreichte Platz 42 der Weltrangliste. Sein aggressives und aufschlagstarkes Spiel macht ihn zu einem gefährlichen Gegner für jeden Topspieler. Zverev kann ein Lied davon singen. In Shanghai schlug Rinderknech den Deutschen bereits zum zweiten Mal in dieser Saison.

Die Geschichte von Vacherot ist hingegen noch unglaublicher. Der 27-Jährige startete mit nur einem einzigen ATP-Sieg in seiner Karriere ins Turnier. In der Qualifikation stand er gegen Liam Draxl bereits kurz vor dem Aus, nur zwei Punkte trennten ihn von der Niederlage. Dann begann sein märchenhafter Lauf. Runde für Runde kämpfte sich der Monegasse weiter, besiegte Topspieler wie Holger Rune, Tomas Machac, Tallon Griekspoor und Alexander Bublik. Und schließlich Novak Djokovic.

Monaco ist im Tennisfieber

Dass Vacherot Geschichte schreibt, ist in seiner Heimat längst angekommen. Nach dem Triumph über Djokovic fand er unzählige Nachrichten von Familie, Freunden und Fans in seiner Kabine. „Es war schwer, dabei keine Tränen zu vergießen“, gestand er. Sein Halbbruder und Coach Benjamin Balleret, der selbst einst Profi war, war sprachlos: „Er macht Geschichte, für sich, für Monaco. Es ist nicht einmal unerwartet, es ist eigentlich unmöglich. Und er macht es trotzdem.“

Durch seinen Erfolg steht Vacherot nun auf Platz 58 der Live-Weltrangliste und könnte mit einem Sieg sogar bis auf Rang 40 klettern. Er ist der erste Monegasse überhaupt, der ein ATP-Masters-Finale erreicht hat, und möglicherweise der am niedrigsten platzierte Champion in der Geschichte dieser Turnierserie seit 1990.

Ein Herz schlägt für zwei

Nach seinem Sieg über Djokovic eilte Vacherot direkt zum Court, um Rinderknech beim Halbfinale gegen Medvedev heimlich zuzusehen, wie er erzählt. „Ich wollte nicht, dass er mich sieht. Er hätte gewusst, dass es etwas Besonderes wird. Aber mein Herz schlug schneller als in meinem eigenen Match.“ Als Rinderknech gewann, fielen sich die Cousins in die Arme. Kein Gegner, kein Sieg konnte dieses Familienmoment toppen.

Doch am Sonntag werden sie einander gegenüberstehen. Keine Taktik der Welt kann die Emotionen ausblenden, die in diesem Finale mitschwingen werden. „Wir haben es uns verdient, hier zu sein“, sagte Vacherot. „Jetzt will ich nur den Moment genießen.“

Es ist das zweite professionelle Aufeinandertreffen der beiden. 2018 gewann Rinderknech ein ITF-Match in Frankreich in zwei Sätzen. Doch dieses Mal steht unendlich mehr auf dem Spiel. Nicht nur ein Pokal, sondern ein Stück Tennisgeschichte.

Rinderknech bringt es auf den Punkt: „Morgen wird es zwei Sieger geben. Natürlich gibt es ein Match, aber eigentlich haben wir schon alles gewonnen.“

So oder so: Das Finale von Shanghai wird kein gewöhnliches Endspiel. Es ist ein Familienfest, ein Wunder und eine Erinnerung daran, dass Tennis manchmal Geschichten schreibt, die zu schön sind, um wahr zu sein, die aber trotzdem passieren.

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