Acht Spielerinnen, vier Duelle, unzählige Geschichten: In Cincinnati kämpfen Favoritinnen und Überraschungen um den Einzug ins Halbfinale und jede von ihnen hat ihre eigene Dramatik im Gepäck.
Nach einer Woche voller Regenpausen, nervenaufreibender Sätze und plötzlicher Wenden steht das Feld der letzten Acht beim WTA-1000-Turnier in Cincinnati fest. Die Mischung ist explosiv: Topgesetzte Favoritinnen, beständige Herausforderinnen und Spielerinnen, die bisher unter dem Radar geflogen sind, bis jetzt.
Sabalenka wirkt, als könne sie in Cincinnati nur von sich selbst gestoppt werden. Zwar musste sie zu Wochenbeginn ein dreistündiges Marathonmatch gegen Emma Raducanu überstehen, doch von Müdigkeit ist nichts zu spüren. Fehlanzeige. Am Mittwoch fegte sie die formstarke Jessica Bouzas Maneiro locker vom Platz. Besonders gefährlich wird es für jede Gegnerin, wenn es eng wird: 18 von 19 Tiebreaks hat die Weltranglistenerste in diesem Jahr gewonnen. Ein Rekord in der Open Era. Ihre nächste Aufgabe ist Elena Rybakina.
Die Kasachin scheint Cincinnati als Bühne für epische Aufholjagden gebucht zu haben. Drei Matches, drei Siege nach Rückstand. Darunter der Sieg in drei Sätzen gegen Madison Keys, die sie noch 2022 an dieser Stelle besiegte. Zuvor drehte sie schon Partien gegen Renata Zarazua und Elise Mertens. Ob sie gegen Sabalenka erneut die Wende schafft, ist offen. Der direkte Vergleich steht 7:4 für die Weltranglistenerste.
Iga Swiatek musste in dieser Woche noch keinen großen Härtetest erleben und genau das macht sie so gefährlich. Nach klaren Siegen über Anastasia Potapova und Sorana Cirstea (dazwischen gab es ein Freilos gegen Marta Kostyuk) zieht sie ruhig ihre Kreise. Zweimal stand sie hier schon im Halbfinale, nun wartet Anna Kalinskaya, die in ihrem einzigen Duell mit Swiatek glatt gewonnen hat.
Für Anna Kalinskaya ist dieses Viertelfinale mehr als nur ein weiterer Turniererfolg. Erstmals schlug sie Ekaterina Alexandrova, und das nach sechs vergeblichen Versuchen. Zuvor hatte sie bereits die Wimbledonfinalistin Amanda Anisimova ausgeschaltet. Ihr Sommer liest sich stark: Finale in Washington, nun die Chance auf den größten Sieg ihrer Karriere. Doch dafür muss sie Iga Swiatek stoppen.
Coco Gauff kam mit einem Doppeltitel aus Montreal und bekam in Cincinnati ungeplante Extra-Ruhetage: Walkover in Runde drei, Regenpausen und erst am Donnerstag das erste Match. Dort besiegte sie Lucia Bronzetti souverän in zwei Sätzen und mit nur drei Doppelfehlern. Ihre beste Bilanz seit den French Open. Nun kommt es zum Wiedersehen mit Jasmine Paolini.
Nach einer frühen Niederlage in Montreal meldete sich Jasmine Paolini in Cincinnati mit starker Form zurück. Drei ihrer ersten Sätze gewann sie im Tiebreak, dann folgte ein dominanter Sieg über Barbora Krejcikova und das im Wimbledonfinal-Revanchematch. Ihr letzter Auftritt im Viertelfinale von Cincinnati endete gegen Gauff. Diesmal will sie die Geschichte umschreiben.
Veronika Kudermetova hat in dieser Woche bereits drei gesetzte Spielerinnen aus dem Weg geräumt: Belinda Bencic, Clara Tauson und zuletzt Magda Linette. Nun wartet mit Varvara Gracheva eine Gegnerin, die sie zwar zweimal geschlagen hat, aber das ist fast drei Jahre her.
Die Französin kam mit einer negativen Saisonbilanz ins Turnier, jetzt steht sie nach sechs Siegen, Qualifikation eingeschlossen, im Viertelfinale. Dabei schlug sie unter anderem Sofia Kenin und Karolina Muchova, die beide zu den Top 20 gehören. Gegen Ella Seidel drehte sie zudem einen Satzrückstand. Die Frage ist: Ist die Euphorie stark genug, um Kudermetova zu stürzen?
Sabalenka vs. Rybakina, Swiatek vs. Kalinskaya, Gauff vs. Paolini und Kudermetova vs. Gracheva. Jedes dieser Viertelfinals hat seinen eigenen Spannungsbogen. Werden die Favoritinnen ihre Dominanz bestätigen? Oder werden die Außenseiterinnen das Drehbuch umschreiben? In Cincinnati hat das Wetter bereits für genug Chaos gesorgt. Nun sind es die Spielerinnen, die für die großen Gewitter sorgen könnten.
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