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Chaos, Stürze und Merlier

Die 3. Etappe der Tour de France 2025 hatte alles, was das Herz der Radsportfans höherschlagen lässt: Nervenflattern, Massenstürze und ein Hauch Triumph.

Die 3. Etappe der Tour de France 2025 hielt, was sie versprach und sogar noch mehr. Eigentlich war auf den 178 Kilometern zwischen Valenciennes und Dünkirchen eine klassische Flachetappe erwartet worden, die perfekt auf die Sprinter zugeschnitten war. Doch statt eines geordneten Zielsprints entwickelte sich das Finale zu einem echten Ritt auf der Rasierklinge.

Zwei schwere Stürze auf den letzten Kilometern rissen das Fahrerfeld auseinander. Besonders bitter: Remco Evenepoel, einer der Top-Favoriten in der Gesamtwertung, war drei Kilometer vor dem Ziel in einen Crash verwickelt. Auf der Zielgeraden ging es dann noch wilder zu. Dicht an dicht rasen die Sprinter durch die engen Gassen, bis erneut Fahrer zu Boden gehen.

In diesem Sprintchaos behielt ein Mann die Nerven: Tim Merlier. Der Belgier vom Team Soudal Quick-Step kämpfte sich aus der idealen Position zurück an die Spitze und siegte haarscharf vor Jonathan Milan. Für Merlier war es bereits der zweite Etappensieg bei der Tour de France und sein elfter Saisonsieg. Phil Bauhaus sorgte mit einem starken dritten Platz für ein deutsches Ausrufezeichen.

Drama um Philipsen: Aufgabe nach Schlüsselbeinbruch

Die wohl bitterste Geschichte des Tages schrieb Jasper Philipsen. Der Belgier im Grünen Trikot, Gewinner der ersten Etappe, stürzte rund 60 Kilometer vor dem Ziel schwer. Was dramatisch begann, endete mit einer Aufgabe. Ursache war eine unglückliche Kettenreaktion: Nach einem Gerangel vor dem Zwischensprint verlor ein Konkurrent das Gleichgewicht, Philipsen wurde „umgekegelt“ und hatte keine Chance mehr, auszuweichen.

Die Diagnose war schnell klar: Schlüsselbeinbruch und mindestens eine gebrochene Rippe. Die Tour de France ist für Philipsen damit vorbei, ein herber Rückschlag für den Sprintstar.

Ein Tag zum Durchschnaufen, zumindest anfangs

Der Etappenstart verlief hingegen vergleichsweise ruhig. Regen und kühle Temperaturen sorgten für einen verhaltenen Beginn. Statt Attacken prägten lockere Gespräche und ein vorsichtiges Tempo die erste Rennstunde. Mit moderaten 36 km/h rollte das Feld dahin, eine Seltenheit bei der Tour.

Zwischenzeitlich wagten Matej Mohoric und Jonas Rickaert einen kurzen Fluchtversuch, der jedoch früh wieder beendet wurde. Erst im weiteren Verlauf übernahm das Team Alpecin-Deceuninck um den Träger des Gelben Trikots, Mathieu van der Poel, die Kontrolle.

Wellens übernimmt das Bergtrikot

Auch die einzige Bergwertung des Tages sorgte für wenig Action. Tim Wellens, ein Teamkollege von Tadej Pogacar, setzte sich allein ab und sammelte die Punkte souverän ein. Damit übernahm er das Bergtrikot von Pogacar; beide liegen punktgleich, doch Wellens hat mehr Bergwertungen auf seinem Konto. In der Sprintwertung liegt nach seinem Etappensieg Jonathan Milan vorne.

Vorschau: Die 4. Etappe hat ein anspruchsvolles Profil

Am Dienstag folgt mit der 4. Etappe die nächste Herausforderung. Das 173 Kilometer lange Teilstück von Amiens nach Rouen hat es in sich. Gleich vier Bergwertungen der 3. und 4. Kategorie warten auf die Fahrer, und zwar alle auf den letzten 30 Kilometern. Insgesamt sind 2.000 Höhenmeter zu bewältigen. Der Etappenverlauf verspricht Spannung pur.

Vor allem für Ausreißer und Puncheure könnten sich hier Chancen bieten, während die Favoriten im Gesamtklassement hochkonzentriert sein müssen. Der Kampf um das Gelbe Trikot dürfte sich also erneut zuspitzen.

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