Während Alexander Bublik durchs Turnier fegt, bleibt Daniil Medvedev im Tal der Tränen. Bei den ATP-250-Events in China gibt es Überraschungen, Comebacks und Hoffnungen auf große Durchbrüche.
Wenn Alexander Bublik gut gelaunt aufschlägt, hat sogar das Netz vor ihm Respekt. In Hangzhou ließ er seinem Viertelfinalgegner Dalibor Svrcina beim 6:1, 6:1 nicht den Hauch einer Chance. Der Kasache, der für seine Launenhaftigkeit auf dem Platz ebenso bekannt ist wie für seine magischen Schläge, wirkte dabei so ernsthaft fokussiert, dass man fast von einem neuen Bublik sprechen könnte. Sein Weg zum Titel scheint geebnet. Zumindest, wenn er seine Nerven im Zaum hält.
Ganz anders die Lage bei Daniil Medvedev. Der ehemalige Weltranglistenerste, der seit Monaten auf der Suche nach einem Erfolgserlebnis ist, stolperte erneut über seine eigene Ratlosigkeit. Gegen Ybing Wu, der nach einer Verletzungspause zurückgekehrt war, verlor Medvedev trotz einer Satzführung mit 7:5, 6:7 (5), 4:6 und schüttelte erneut nur den Kopf. Seit seinem Triumph in Rom im Jahr 2023 wartet der Russe auf einen Pokal. Eine Ewigkeit, gemessen an seinen Ansprüchen. Ist Medvedevs Zenit überschritten oder erleben wir nur eine Durststrecke vor dem nächsten großen Coup?
Das Halbfinale von Hangzhou verspricht jedenfalls Spannung. Neben Bublik steht auch Corentin Moutet unter den letzten Vier, nachdem sein Gegner, Tomas Martin Etcheverry, verletzungsbedingt aufgeben musste. Dazu gesellt sich Valentin Royer, der mit seinem Sieg in drei Sätzen über den US-amerikanischen Youngster Learner Tien für eine kleine Sensation sorgte.
Während in Hangzhou die Schlagzeilen von Medvedevs Niederlage dominiert werden, richtet sich der Blick in Chengdu auf einen Mann: Lorenzo Musetti. Der Italiener ist dort Stammgast im Halbfinale, doch er jagt seit Jahren vergeblich den Pokal. Vielleicht ist 2025 endlich sein Jahr. Im Viertelfinale schickte er den aggressiv spielenden Nikoloz Basilashvili mit 6:3, 6:3 vom Platz und sammelte damit bereits seinen siebten Sieg in Chengdu. Basilashvili drosch zwar unermüdlich auf die Bälle ein, produzierte aber 36 unerzwungene Fehler. Musetti blieb hingegen cool, schlug präzise auf und wartete auf die Lücken.
Der 23-Jährige ist derzeit auf Platz sieben der PIF ATP Live Race to Turin geklettert und könnte sich mit einem Titel in Chengdu sogar bis auf 145 Punkte an Taylor Fritz heranschieben. Damit rückt sein Traumdebüt bei den Nitto ATP Finals in greifbare Nähe. Im Halbfinale wartet Alexander Shevchenko, der Taro Daniel in drei Sätzen ausgeschaltet hat. „Ich bin bereit für die Schlacht”, kündigte Musetti nach seinem Sieg selbstbewusst an.
Auch die untere Hälfte des Draws in Chengdu hat es in sich. Brandon Nakashima, einer der stillen Hoffnungsträger des US-Tennis, musste im Viertelfinale gegen Landsmann Marcos Giron stark kämpfen. Beim Stand von 4:5 im dritten Satz fehlten ihm nur zwei Punkte zur Niederlage, doch Nakashima zeigte im Tie-Break sein bestes Tennis und siegte mit 6:3, 2:6, 7:6 (3). Es war bereits sein drittes Halbfinale in diesem Jahr, nach Acapulco und Houston.
Sein Gegner wird Alejandro Tabilo sein, der sich in China in einen regelrechten Rausch gespielt hat. Der Chilene kam über die Qualifikation ins Hauptfeld, gewann drei Matches und kämpfte sich auch gegen Christopher O’Connell mit 4:6, 7:5, 6:2 durch. Noch im Sommer von Verletzungen geplagt, wirkt er nun wie ausgewechselt. „Es ist ein unglaubliches Gefühl, ich liebe es hier in China“, schwärmte Tabilo. Nach dem Einzug ins Finale der Challenger-Tour in Guangzhou und nun dem ersten Halbfinale auf der ATP-Tour seit Mallorca 2023 ist sein Aufstieg zurück in die Top 100 fast geschafft.
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