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Olympia/Tennis
  1. TENNIS

Bencic feiert Erlösung in Tokio

Zwei Wege, zwei Welten: Während Belinda Bencic in Tokio ihre Karriere krönt, erlebt Deutschlands Talent Ella Seidel in Guangzhou eine bittere Lektion und zeigt dennoch, warum sie die Zukunft des deutschen Tennissports ist.

Was für ein Wochenende für den WTA-Tenniszirkus! In Tokio triumphiert Belinda Bencic mit eiserner Willenskraft und schreibt ihre eigene Geschichte neu. In Guangzhou hingegen scheitert Ella Seidel trotz großen Kampfes am Einzug in ihr erstes WTA-Halbfinale. Zwei Turniere, zwei Geschichten, beide geprägt von Emotionen, Wendungen und Momenten, die zeigen, warum Tennis mehr ist als nur ein Sport.

Bencic und die späte Erlösung in Tokio

Es war fast filmreif: Zehn Jahre nach ihrer Finalniederlage beim Toray Pan Pacific Open kehrte Belinda Bencic an denselben Ort zurück und dieses Mal ließ sie sich den Titel nicht mehr nehmen. Dabei schien im Vorfeld alles gegen sie zu sprechen. Ihre Gegnerin, die 20-jährige Tschechin Linda Noskova, hatte insgesamt nur 35 Minuten auf dem Platz verbracht, in Viertel- und Halbfinale, während Bencic sich nach mehr als fünf Stunden Spielzeit in zwei Tagen ins Finale schleppte.

Doch statt Müdigkeit zeigte die 28-Jährige Erfahrung, Präzision und einen unerschütterlichen Willen. Mit 6:2, 6:3 besiegte sie Noskova in nur 82 Minuten und holte damit ihren zehnten Karrieretitel, zugleich den zweiten in dieser Saison. Für Bencic war es mehr als nur ein Sieg: Es war eine Art Befreiung, eine stille Abrechnung mit der Vergangenheit.

„Das letzte Mal, als ich hier gewonnen habe, war bei den Olympischen Spielen, ohne Zuschauer“, sagte sie mit einem Lächeln. „Heute war es ganz anders. Ich liebe es, in Japan zu spielen, und bin überglücklich, diesen Titel endlich gewonnen zu haben.“

Mit diesem Erfolg klettert Bencic auf Platz 11 der PIF-WTA-Rankings und ist damit nur einen Schritt von einer Rückkehr in die Top 10 entfernt. Dies ist ein Zeichen dafür, dass sie nach einer Phase von Verletzungen und Unsicherheiten wieder zu ihrer alten Stärke zurückfindet. Dass sie ausgerechnet in Tokio, dem Ort ihres größten Triumphs, dem Olympiasieg, wieder zuschlägt, verleiht dem Moment zusätzliche Symbolkraft.

Bencic scheint die Kunst zu beherrschen, sich im richtigen Augenblick neu zu erfinden. Wer sie auf dem Weg zu den kommenden Turnieren erlebt, könnte sich unweigerlich fragen: Ist das vielleicht der Beginn eines neuen Kapitels, das bei den French Open seine Fortsetzung findet?

Seidel verpasst Halbfinale

Während Bencic in Tokio Goldglanz versprühte, erlebte Ella Seidel in Guangzhou eine Achterbahnfahrt der Gefühle. Die 20-jährige Hamburgerin stand kurz davor, ihr erstes WTA-Halbfinale zu erreichen, doch am Ende fehlte ihr die letzte Konsequenz. Nach einem starken Start verlor sie gegen die Amerikanerin Claire Liu mit 6:4, 0:6, 4:6.

Was wie ein Rückschlag klingt, war in Wahrheit ein Lehrstück über das Lernen, Scheitern und Wachsen im Spitzensport. Seidel, die sich in den letzten Wochen mit konstant starken Leistungen erstmals in die Top 100 gespielt hatte, begann fokussiert und mutig. Doch dann kam der Bruch: Im zweiten Satz lief nichts mehr zusammen, kein Aufschlag, kein Rhythmus, kein Selbstvertrauen.

Im entscheidenden Durchgang kämpfte sie sich noch einmal zurück und schien die Partie unter Kontrolle zu haben, bis sie beim Stand von 4:5 zum Verbleib im Match servieren musste. Liu witterte ihre Chance, spielte aggressiv und nutzte gleich ihren ersten Matchball.

Für Seidel ist das Aus zwar bitter, aber nicht ohne Wert. „Sie hat gezeigt, dass sie auf diesem Niveau bestehen kann“, kommentierte ein Beobachter in Guangzhou. Und tatsächlich wirkt ihr Spiel reifer und ihr Mindset entschlossener. Vielleicht war es gerade diese Niederlage, die ihr den entscheidenden Impuls gibt.

Sie wurde immerhin schon jetzt belohnt: Teamchef Rainer Schüttler nominierte sie für die Heimspiele im Billie Jean King Cup im November. Das ist ein Vertrauensbeweis, der zeigt, wie hoch ihr Potenzial eingeschätzt wird.

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