Ein Sieg der Favoritin? Eher unwahrscheinlich. Das WTA-Turnier in Bad Homburg beginnt und auf dem traditionsreichen Rasen scheint einmal mehr alles möglich zu sein. Wer schreibt diesmal im Kurpark seine eigene Erfolgsgeschichte?
Ein Favoritinnensieg? Eher unwahrscheinlich. Das WTA-Turnier in Bad Homburg startet und auf dem traditionsreichen Rasen scheint einmal mehr alles möglich zu sein. Wer schreibt diesmal im Kurpark seine eigene Erfolgsgeschichte?
Wenn in dieser Woche die Bad Homburg Open in ihre fünfte Auflage gehen, dann ist nicht nur das Spielerinnenfeld so hochkarätig besetzt wie nie zuvor, es ist auch wieder so offen wie eh und je. Denn wie schon in den vergangenen Jahren stellt sich vor Turnierbeginn die Frage, auf die es keine klare Antwort gibt: Wer ist die Favoritin?
Die Historie des Turniers gibt wenige Anhaltspunkte. In den bisherigen vier Ausgaben gab es vier unterschiedliche Siegerinnen, von denen keine vor Turnierbeginn als klare Titelfavoritin gehandelt wurde. Selbst die deutsche Grand-Slam-Siegerin Angelique Kerber, die die Premiere 2021 gewann, galt damals nicht als sichere Bank. Schließlich hatte sie zuvor drei Jahre lang kein Turnier mehr gewonnen und reiste trotz ihrer früheren Erfolge auf Rasen nur als Nummer 28 der Welt nach Bad Homburg.
In den Folgejahren setzten sich Spielerinnen durch, die auf dem Papier eher als Außenseiterinnen galten. Caroline Garcia (WTA-Rang 75 im Jahr 2022), Kateřina Siniaková (Platz 52 im Jahr 2023) und zuletzt Diana Schneider (Rang 47). Sie haben sich durch Qualität und Kampfgeist ausgezeichnet, aber eben nicht durch große mediale Vorberichte oder hohe Setzlistenplätze.
Dabei hat das Rasentennis im Kurpark seinen ganz eigenen Reiz und seine ganz eigenen Gesetze. Seit Serena Williams die Bühne des Rasentennis verlassen hat, fehlt der eine große Name, der alle anderen überstrahlt. Was bleibt, ist ein Format, das Überraschungen nahezu kultiviert. Selbst bei den French Open oder in Wimbledon setzten sich zuletzt nicht immer die Favoritinnen durch, doch in Bad Homburg scheint diese Entwicklung zur Regel geworden zu sein.
Ein Blick auf die erfolgreichsten Spielerinnen der noch jungen Turniergeschichte zeigt, wie unberechenbar dieses Event ist. Kateřina Siniaková ist beispielsweise die einzige Spielerin, die es zweimal bis ins Endspiel geschafft hat: 2021 unterlag sie, 2023 triumphierte sie. Caroline Garcia, die Siegerin von 2022, wird mit dem Turnier in Verbindung gebracht werden – nicht zuletzt, weil sie kürzlich das Ende ihrer Karriere angekündigt hat. In einem emotionalen Statement sagte sie, Tennis sei für sie „Liebe oder Hass, Freude oder Frustration“ gewesen. Ein Satz, der sinnbildlich für die Achterbahnfahrt im Profitennis stehen könnte, gerade auf einem so unbeständigen Belag wie Rasen.
Und genau dieses Spannungsfeld zwischen individueller Klasse, mentaler Verfassung und taktischer Flexibilität macht das Turnier in Bad Homburg so besonders. Wer den Trophäenelefanten gewinnt, braucht nicht nur gute Beine und einen schnellen Aufschlag, sondern auch die Fähigkeit, sich auf Gegnerinnen einzustellen, die man im Saisonverlauf vielleicht kaum beachtet hat.
Auch in diesem Jahr spricht vieles dafür, dass wir wieder eine Siegerin erleben werden, die vor Turnierbeginn nicht auf den Top-Listen stand. Vielleicht wird eine gesetzte Spielerin das Feld dominieren, vielleicht aber auch nicht. Dass manche Topspielerinnen Bad Homburg eher als Vorbereitungsturnier auf Wimbledon sehen und sich entsprechend zurückhalten, könnte erneut den Weg frei machen für neue Namen oder für jene, die sich im Kurpark bereits einen Namen gemacht haben.
Die Qualifikation beginnt am Samstag, das Hauptfeld startet am Sonntag. Und wieder wird es darum gehen, im Kurpark Geschichte zu schreiben. Vielleicht nicht für die Ewigkeit, aber für eine Tenniswoche voller Überraschungen. Wer am Ende der Woche die Trophäe in die Höhe reckt, ist jetzt noch völlig offen. Doch eines ist sicher: Es wird wieder eine Geschichte sein, die nur in Bad Homburg geschrieben werden kann.
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