Auf den letzten Rampen von La Plagne wurde geschwitzt, gezittert und gejubelt: Thymen Arensman triumphierte, Florian Lipowitz kämpfte sich fast aufs Podium. Die letzte Bergetappe der Tour de France war ein echter Nervenkrimi.
Die Königsetappe in den französischen Alpen hatte alles: dramatische Attacken, rutschige Straßen, zitternde Favoritenbeine und am Ende einen strahlenden Sieger. Thymen Arensman krönte sich auf der verkürzten 19. Etappe nach La Plagne zum Etappengewinner. Und Florian Lipowitz? Der deutsche Tour-Debütant fuhr, als hätte er nie etwas anderes gemacht, und kommt dem Podium in Paris gefährlich nahe.
Mit nur 93 Kilometern war die Bergetappe ungewöhnlich kurz, aber keinesfalls leicht. 3 250 Höhenmeter, zwei schwere Alpenpässe, Regen im Schlussanstieg und ein entfesselter Primoz Roglic sorgten für ein intensives Rennen, das einem Klassiker glich. Aufgrund einer Rinderseuche musste die Strecke kurzfristig angepasst werden, doch spätestens am Col du Pre brannte das Rennen.
Roglic und Lenny Martinez suchten früh das Weite, wurden aber spätestens am langen Schlussanstieg eingeholt. Dort spielte sich das wahre Drama ab, mit Arensman, Pogacar, Vingegaard und Lipowitz in den Hauptrollen.
Tadej Pogacar schien 14 Kilometer vor dem Ziel einen weiteren Etappensieg fest im Visier zu haben. Mit einem frühen Antritt sprengte er die Favoritengruppe, nur Jonas Vingegaard konnte ihm folgen. Doch dann nahm Pogacar überraschend das Tempo wieder raus. Das war Arensmans Moment. Der Ineos-Profi schloss auf, übernahm selbstbewusst die Spitze und ließ sich den Vorsprung nicht mehr nehmen.
Der Niederländer brachte zwei Sekunden Vorsprung über die Ziellinie. Für Arensman war es bereits der zweite Etappensieg bei dieser Tour de France. Ein starkes Ausrufezeichen bei der letzten großen Prüfung.
Florian Lipowitz stand nach dem Zeitverlust am Vortag unter Druck. Nur 22 Sekunden trennten ihn von Verfolger Oscar Onley. Doch der 24-Jährige ließ sich nicht beirren. Auf den letzten Kilometern klebte er an den Rädern von Pogacar und Vingegaard, bis es zu einem Schreckmoment kam. Bei Vingegaards Attacke rutschte Lipowitz auf dem nassen Asphalt beinahe weg, konnte sich aber gerade noch auf dem Rad halten.
Mit sechs Sekunden Rückstand auf Arensman und 39 Sekunden Vorsprung auf Onley sicherte sich der Deutsche einen starken vierten Platz und baute seinen Vorsprung im Gesamtklassement auf 1:03 Minuten aus. Auch in der Nachwuchswertung liegt Lipowitz vorn. Ein Sensationsdebüt bei der Tour de France.
Pogacar bleibt souverän in Gelb und geht mit über vier Minuten Vorsprung auf Vingegaard in die letzten beiden Etappen. Der vierte Toursieg scheint nur noch Formsache zu sein. Felix Gall schob sich dank kluger Tempowahl auf Rang fünf der Gesamtwertung, während Jonathan Milan im Grünen Trikot weitere Punkte sammelte und seine Dominanz unter den Sprintern unterstrich.
Am Samstag wartet mit 184 hügeligen Kilometern von Nantua nach Pontarlier eine Etappe mit Klassiker-Flair. Das Terrain ist perfekt für Ausreißer und Tempobolzer. Doch das große Finale rückt näher und Lipowitz hat das Podium in Paris fest im Blick.
Wett-Credits nach Abrechnung von Wetten im Wert der qualifizierenden Einzahlung zur Nutzung verfügbar. Gewinne schließen den Einsatz von Wett-Credits aus. Es gelten die AGB, Zeitlimits und Ausnahmen.