Zwei Außenseiterinnen mit einem großen Traum: Emiliana Arango und Iva Jovic kämpfen in Guadalajara um ihren ersten WTA-Titel und könnten damit Geschichte schreiben.
Es ist das Szenario, das Tennisfans lieben: Wenn nicht die großen Namen dominieren, sondern neue Gesichter die Schlagzeilen übernehmen. In Guadalajara hat sich genau das erfüllt. Im Finale stehen sich Emiliana Arango aus Kolumbien und die erst 17-jährige Iva Jovic gegenüber. Beide wissen, dass sie mit einem Sieg ihren ersten WTA-Titel feiern könnten.
Schon die Halbfinals waren ein Vorgeschmack auf die Emotionalität, die dieses Turnier ausmacht. Arango, aktuell die Nummer 86 der Welt, hatte es mit der Französin Elsa Jacquemot zu tun. Und auch wenn sie zunächst ins Hintertreffen geriet, zeigte sie am Ende jene Hartnäckigkeit, die sie in diesem Jahr auszeichnet. Mit 6:4, 7:5 entschied sie die Partie für sich. Besonders bemerkenswert: Im ersten Satz lag sie bereits mit 2:4 zurück und im zweiten Satz drohte sogar der Entscheidungssatz. Doch Arango drehte die kritischen Momente, wehrte Breakbälle ab und spielte sich mit viel Athletik und Mut ins Finale.
Damit setzt die 23-Jährige ihre besondere Beziehung zu Mexiko fort. Schon vor zwei Jahren hatte sie in Guadalajara überrascht, als sie als erste Kolumbianerin seit fast zwei Jahrzehnten die Runde der letzten Acht bei einem WTA-1000-Turnier erreichte. Anfang 2024 erreichte sie dann ihr erstes Tourfinale in Mérida, allerdings unterging sie dort ohne Spielgewinn. Ein 0:6, 0:6, das manch einer als Trauma bezeichnen könnte. Doch Arango hat es weggesteckt. In Guadalajara gab sie bis zum Finale keinen einzigen Satz ab.
Noch dramatischer ging es auf dem Nebenplatz zu, wo Jovic und Nikola Bartunkova fast drei Stunden lang den Taktstock schwangen. Die US-Amerikanerin Jovic, die jüngste Spielerin in den Top 100, hatte bereits im Viertelfinale einen wahren Krimi erlebt, als sie gegen Victoria Jimenez Kasintseva einen Matchball abwehren musste. Diesmal war es fast genauso nervenaufreibend: Zwar führte Jovic mit einem Satz und einem Break, doch Bartunkova kämpfte sich zurück, erzwang einen Tiebreak und nutzte die Gunst der Stunde, um das Match in den dritten Satz zu bringen.
Doch Jovic gab nicht klein bei. Ihre Kondition und mentale Stärke machten den Unterschied. Obwohl Bartunkova im Entscheidungssatz sogar eine medizinische Auszeit nahm und danach noch einmal alles gab, behielt die Amerikanerin mit 6:3, 6:7, 6:3 die Oberhand. Ein Sieg, der nicht nur Nerven, sondern auch Mut zum Risiko erforderte. Besonders der letzte Spielzug, bei dem Jovic mit ihrem zweiten Ass den Sieg perfekt machte, dürfte in Erinnerung bleiben.
Für beide Finalistinnen bedeutet das Endspiel mehr als nur ein Titel. Sie treten in die Fußstapfen von Maya Joint, Lois Boisson und Victoria Mboko, die in dieser Saison bereits als Erstsiegerinnen auf der WTA-Tour gefeiert wurden. Auch in São Paulo wartet mit dem Finale zwischen Janice Tjen und Tiantsoa Sarah Rakotomanga Rajaonah eine weitere Premiere. Es scheint, als stünde das Jahr 2024 ganz im Zeichen der Aufsteigerinnen.
Die Frage bleibt: Wer nutzt seine Chance? Holt Arango, die Kämpferin aus Kolumbien, endlich ihren ersten Pokal und schreibt die Geschichte Mexikos weiter? Oder setzt sich Jovic mit jugendlicher Unbekümmertheit durch und etabliert sich endgültig als Shootingstar? Fest steht: Das Finale in Guadalajara wird mehr als nur ein weiteres Match sein. Es wird ein Meilenstein für eine der beiden Spielerinnen und vielleicht der Beginn einer Karriere, die Tennisfans noch lange begleiten wird.
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