Ein Finale, das die Zukunft verspricht: In Peking trifft Amanda Anisimova auf Linda Noskova . Zwei Talente, die zusammen kaum älter sind als Venus Williams. Wer wird die neue Königin des asiatischen Hartplatzes?
Zwei junge Frauen, ein Finale und ein Hauch Tennisgeschichte. Wenn die 24-jährige Amanda Anisimova und die 20-jährige Linda Noskova am Sonntag im Endspiel der China Open aufeinandertreffen, geht es nicht nur um einen WTA-1000-Titel, sondern auch um den Wandel im Damentennis. Beide Spielerinnen wurden nach der Jahrtausendwende geboren. Ein Generationentreffen mit Zukunftscharakter.
Schon der Weg dorthin hätte unterschiedlicher kaum sein können. Während Anisimova mit der Leichtigkeit einer Spielerin auftritt, die nach Jahren der Selbstzweifel wieder in ihrer Mitte angekommen ist, hat sich Noskova mit purer Willenskraft und Nerven aus Stahl in ihr erstes WTA-1000-Finale gekämpft.
Dass Amanda Anisimova in Peking so aufspielt, hätte sie selbst wohl am wenigsten erwartet. Nach ihrer enttäuschenden US-Open-Kampagne gönnte sie sich eine längere Pause, „zu lang“, wie sie selbstkritisch sagte. Der Jetlag, eine Weisheitszahn-Operation und fehlende Matchpraxis waren eigentlich keine guten Voraussetzungen für ein Tennis-Märchen. Doch Anisimova überraschte sich selbst und die Tenniswelt.
Im Halbfinale fegte sie die Titelverteidigerin Coco Gauff mit 6:1, 6:2 vom Platz. Das kürzeste Match ihrer Saison. „Alle meine Schläge haben funktioniert, das ist mein Lieblingsgefühl“, strahlte sie danach. Mit Siegen über zwei Top-10-Spielerinnen (Gauff und Paolini) steht sie nun bereits in ihrem fünften Finale dieses Jahres; nur Aryna Sabalenka war öfter erfolgreich.
Anisimova scheint in schwierigen Momenten besonders stark zu sein. „Wenn ich mich körperlich nicht top fühle, fokussiere ich mich mehr auf jeden einzelnen Punkt. Dann spiele ich freier, ohne Druck.“ Diese mentale Stärke ist neu und macht sie gefährlich. Ihre beeindruckende Siegesserie gegen Weltklassespielerinnen wie Sabalenka (Wimbledon) und Swiatek (US Open) zeigt es. Die Amerikanerin ist längst wieder bereit für große Titel.
Mit gerade einmal 58 Minuten Spielzeit im Halbfinale hat sie zudem ein Ass im Ärmel: Sie hat mehr Zeit zur Regeneration. Ihr Vorteil: Ihre Gegnerin Noskova stand über drei Stunden auf dem Platz, musste drei Matchbälle abwehren und kam körperlich an ihre Grenzen.
Während in Peking die Aufmerksamkeit vor allem den drei Amerikanerinnen im Halbfinale galt, spielte sich Linda Noskova still, aber beeindruckend ins Rampenlicht. Die 20-jährige Tschechin, die bereits als Teenager mit Siegen über Daria Kasatkina und Ons Jabeur aufgefallen ist, hat ihr Spiel auf ein neues Level gehoben.
Gegen Jessica Pegula zeigte sie eine Achterbahnfahrt der Gefühle: 6:3, 1:6, 7:6 (6). Drei Matchbälle wehrte sie mit elf Assen, Mut und jugendlicher Unbekümmertheit ab. „Es war ein Auf und Ab, aber genau deswegen liebe ich diesen Sieg“, sagte sie nach dem Match.
Noskova ist die jüngste Tschechin seit Petra Kvitová, die ein Finale dieser Kategorie erreicht. In einem Land, das seit Jahrzehnten Tennisgrößen hervorbringt. Ihr druckvolles Service ist ihr größter Trumpf: Mit 24 Assen im Turnier steht sie nur hinter Elena Rybakina in dieser Saison. Auf dem eher langsamen Hartplatz von Peking ist das eine Waffe, aber es ist auch ein Risiko, wie die sieben Doppelfehler im Halbfinale zeigen. Ihr Spiel balanciert auf Messers Schneide.
Im direkten Vergleich steht es zwischen Anisimova und Noskova 1:1. 2023 siegte Noskova in Indian Wells, dieses Jahr revanchierte sich Anisimova in Wimbledon. Beide kennen also die Stärken und Schwächen der anderen.
Anisimova wird versuchen, Noskovas Aufschläge früh anzugreifen und die Ballwechsel kurz zu halten. Noskova will dagegen mit Druck und langen Grundlinienduellen das Tempo diktieren. Ein klarer Favorit? Fehlanzeige. Dieses Duell ist zu offen, die Dynamik zwischen beiden zu frisch.
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