Drama bis tief in die Nacht: Amanda Anisimova ringt Naomi Osaka nieder und trifft nun im Finale der US Open auf Titelverteidigerin Aryna Sabalenka. Wer schreibt am Samstag Tennisgeschichte?
Es gibt Matches, die im Gedächtnis haften bleiben, weil sie nicht nur sportlich überzeugen, sondern auch die ganz großen Fragen aufwerfen. Wer bricht durch, wer behauptet sich, wer schreibt Geschichte? Das Halbfinale der US Open zwischen Amanda Anisimova und Naomi Osaka war genau so ein Spiel. Ein Shootout zweier Spielerinnen, die den Ball mit gnadenloser Härte über den Court trieben und das bis kurz vor ein Uhr morgens.
Am Ende stand eine jubelnde Amanda Anisimova. Nach 2:50 Stunden verwandelte sie ihren dritten Matchball und siegte mit 6:7 (4), 7:6 (3) und 6:3. Ein Sieg, der nicht nur das Publikum im Arthur Ashe Stadium elektrisierte, sondern Anisimova auch endgültig auf die ganz große Bühne katapultierte. Schon in Wimbledon hatte sie das Finale erreicht, dort allerdings gegen Iga Swiatek keinen Spielgewinn erzielt. Diesmal wartet jedoch ein ganz anderes Duell auf sie: Sie trifft auf die Titelverteidigerin und aktuelle Nummer eins der Welt, Aryna Sabalenka.
Doch zurück zu dieser Nacht in New York. Anisimova und Osaka lieferten sich ein Match, das in seiner Dramatik kaum zu überbieten war. Zwei komplett ausgeglichene Sätze, die beide im Tiebreak entschieden wurden, brachten die Halle zum Kochen. Im dritten Durchgang schien die Amerikanerin die klaren Vorteile zu haben. Bei einem Stand von 5:3 servierte sie zum Einzug ins Finale. Sie ließ zwei Matchbälle liegen, Osaka witterte ihre Chance. Doch Anisimova blieb bei allem Druck ihrer Linie treu: offensives Tennis, mutige Schläge, keine Sekunde Zögern. Mit ihrem dritten Versuch machte sie schließlich alles klar und feierte den bislang größten Moment ihrer Karriere.
Für Naomi Osaka war es hingegen eine schwere Niederlage. Zum ersten Mal verlor sie ein Halbfinale bei einem Grand Slam. Zuvor hatte sie alle ihre vier Anläufe in dieser Turnierphase in einen Titel umgemünzt. Dass sie diesmal scheiterte, zeigt, wie eng das Feld inzwischen zusammengerückt ist. Aber es zeigt auch: Osaka ist zurück auf der Bühne. Wer glaubt, dies sei ihr letzter Anlauf, irrt sich gewaltig.
Das zweite Halbfinale des Abends erzählte eine andere Geschichte, eine von Dominanz nach kurzem Stolpern. Aryna Sabalenka, die im Viertelfinale kampflos weitergekommen war, weil Marketa Vondrousova sich zurückziehen musste, begann stark, verlor dann aber den Faden. Pegula nutzte die Lücke eiskalt, holte sich den ersten Satz mit 6:4 und schien die Sensation zu wittern.
Doch wer Sabalenka kennt, weiß: Aufgeben ist keine Option. Die Belarussin fand zu ihrem druckvollen Spiel zurück, variierte mit Drop Shots und attackierte Pegulas Aufschlag konsequent. Das Resultat waren zwei Sätze mit 6:3, die deutlicher waren, als es die nackten Zahlen vermuten lassen. Pegula kämpfte und hatte Chancen zum Rebreak, doch Sabalenka hatte stets die bessere Antwort. Selbst zwei ungenutzte Matchbälle brachten sie nicht aus der Ruhe. Nach gut zwei Stunden verwandelte sie schließlich ihren dritten Matchball und brüllte ihren Jubel in die New Yorker Nacht.
Damit steht fest: Am Samstag steigt ein Finale, das Spannung verspricht wie kaum ein anderes. Sabalenka, die Titelverteidigerin, trifft auf Anisimova, die Lokalmatadorin. Eine Spielerin, die gerade dabei ist, ihren Durchbruch zu veredeln, trifft auf eine, die sich endgültig als unumstrittene Nummer eins festsetzen will. Brisant: In Wimbledon standen sich beide schon im Halbfinale gegenüber, und Anisimova behielt knapp die Oberhand.
Wird Sabalenka also ihre Revanche bekommen? Oder schreibt Anisimova ihr Märchen weiter und holt im zweiten Anlauf gleich den ersten Grand-Slam-Titel? Sicher ist: Dieses Finale hat alles, was man von einem großen Match erwarten darf: Rivalität, Emotionen und offene Fragen. Das Publikum darf sich auf eine Partie freuen, die Tennis in seiner schönsten Form verspricht: kraftvoll, unberechenbar und nervenaufreibend.
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