Altmaiers Aus, Alcaraz mit Verletzungsschreck und Ruuds Comeback: Das ATP-Turnier in Tokio liefert packende Geschichten. Wer behält die Nerven und wer lässt Chancen liegen? Die Antworten auf diese Fragen versprechen Hochspannung bis zum Finale.
Beim ATP-Turnier in Tokio gab es einen Tag voller Kontraste: Während Daniel Altmaier überraschend früh die Segel streichen musste, überstand Carlos Alcaraz eine Schrecksekunde und Casper Ruud kämpfte sich nach Startproblemen doch noch souverän ins Ziel.
Altmaier hatte sich in Tokio eigentlich in Stellung gebracht. Zum Auftakt eliminierte er mit Denis Shapovalov einen früheren Top-10-Spieler, was Hoffnung auf einen längeren Turnierverlauf nährte. Doch im Achtelfinale endete die Reise abrupt. Gegen den Australier Aleksandar Vukic fand der Kempener kaum Antworten, wirkte verkrampft und kam nie richtig ins Spiel: 0:3 Breakbälle, drei verlorene Aufschlagspiele, am Ende stand nach 1:24 Stunden ein deutliches 4:6, 2:6 auf der Anzeigetafel. Damit ist das Turnier für die deutsche Tennis-Fraktion beendet, die entscheidende Phase steigt ohne Schwarz-Rot-Gold.
Während Altmaier haderte, zitterten die Zuschauer kurze Zeit später um den größten Namen im Feld. Carlos Alcaraz, die Nummer eins der Welt, rutschte Mitte des ersten Satzes gegen Sebastián Báez unglücklich weg und griff sofort an sein linkes Sprunggelenk. Sekundenlang hielt die Halle den Atem an. Der 22-Jährige musste behandelt werden, sein Gelenk wurde dick bandagiert. „Ich war selbst geschockt“, gestand Alcaraz später, „denn im ersten Moment fühlte es sich überhaupt nicht gut an.“
Doch der Spanier bewies, warum er als Kämpfer mit Ausnahmetalent gilt. Trotz Unsicherheit und einer zusätzlichen 30-minütigen Regenpause zog er den Kopf aus der Schlinge. Nach dem Medical Timeout tastete er sich langsam zurück ins Match, fand Stück für Stück sein druckvolles Spiel wieder und gewann schließlich mit 6:4 und 6:2.
„Ich bin einfach nur froh, dass ich danach noch gutes Tennis spielen konnte und die Partie zu Ende gebracht habe”, so Alcaraz.
Die Erleichterung war greifbar, denn der Ausfall des Topgesetzten hätte das Turniergeschehen komplett verändert. Nun geht Alcaraz in Runde zwei gegen Zizou Bergs, der mit einem starken Comeback den formstarken Chengdu-Champion Alejandro Tabilo aus dem Turnier warf. Für den Spanier geht es in Tokio nicht nur ums Weiterkommen, sondern auch darum, sich in die illustre Liste der zwölf Weltranglistenersten einzureihen, die in der japanischen Hauptstadt schon triumphiert haben. Mit 63 Saisonsiegen und sieben Titeln führt er ohnehin die Tour-Statistiken an, jetzt gilt es, diese Dominanz zu bestätigen.
Parallel dazu meldete sich Casper Ruud zurück. Der Norweger, einst Finalist der French Open und in Turin bereits mit starken Leistungen, benötigte gegen den Lokalmatador Shintaro Mochizuki allerdings einen Weckruf. Nach dem verlorenen ersten Satz drehte er die Partie mit 6:1, 6:1 beinahe im Spaziergang und hielt damit seine Chancen im Rennen um die ATP Finals am Leben. In der Live-Rangliste liegt Ruud zwar noch außerhalb der Top Ten, doch er selbst gibt sich gelassen: „Das ist momentan noch kein Thema. Mir geht es darum, die Saison stark zu beenden. Indoor habe ich selten überzeugt, vielleicht kann ich das jetzt ändern.“
Sein nächster Gegner heißt Matteo Berrettini. Ein Duell, das durchaus Sprengkraft verspricht. Der Italiener ist bekannt für seinen wuchtigen Aufschlag, Ruud wiederum für seine taktische Cleverness und Beharrlichkeit. Ein Kontrast, der schon oft für enge Matches gesorgt hat.
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