Während zwei Deutsche früh scheitern, jubelt ein Belgier und ein Niederländer startet durch: Die ATP-Turniere in Brüssel und Almaty liefern Drama, Frust und kleine Tenniswunder.
Für Daniel Altmaier hätte es ein spätes Saisonhoch werden können, doch der Dienstag in Brüssel brachte statt Euphorie Ernüchterung. Der 27-Jährige aus Kempen scheiterte in der ersten Runde des ATP-250-Turniers an dem belgischen Lokalmatador Gilles Arnaud Bailly und das auf denkbar bittere Weise. 4:6, 7:6 (10), 3:6 lautete das Ergebnis nach über zweieinhalb Stunden intensiven Ringens. Für Altmaier ist es ein Sinnbild seines Spätsommers: viel Einsatz, viel Kampf, aber zu wenig Ertrag.
Bailly, gerade einmal 20 Jahre alt und in der Weltrangliste rund 200 Plätze hinter Altmaier geführt, zeigte auf heimischem Boden keine Spur von Respekt. Früh legte er das Break vor, profitierte von Altmaiers Doppelfehlern und verteidigte sein aggressives Spiel auch dann, als der Deutsche im zweiten Satz zwei Matchbälle abwehrte und den Tiebreak noch drehte. Doch im entscheidenden Durchgang riss der Faden. Zwei Doppelfehler beim Stand von 3:4, das Break zum 3:5 und ein enttäuschter Altmaier, der weiter auf seinen ersten Mini-Erfolg seit den US Open wartet.
Für Bailly dagegen war es ein magischer Abend. Sein erster Sieg auf der ATP-Tour, gefeiert vor heimischem Publikum, katapultierte ihn nicht nur in die zweite Runde, sondern auch fünf Plätze nach vorn im PIF ATP Race to Jeddah. Sollte er den an Position drei gesetzten Tschechen Jiří Lehečka besiegen, winkt ihm sogar ein Platz unter den besten Acht. Ein Senkrechtstart, wie man ihn auf belgischem Boden lange nicht gesehen hat.
Während Altmaier haderte, durfte ein anderer Belgier jubeln: Der mit einer Wildcard ausgestattete Raphael Collignon setzte sich in einem hoch emotionalen Landesduell gegen den favorisierten Zizou Bergs mit 6:4, 7:6 (5) durch. Collignon, der bereits bei den US Open mit dem Erreichen der dritten Runde für Aufsehen gesorgt hatte, steht nun vor einem Duell mit Francisco Comesana. Es scheint, als blühe der 23-Jährige auf, sobald das Publikum hinter ihm steht.
Ein Lichtblick aus deutscher Sicht bleibt immerhin: Yannick Hanfmann, der sich mühsam durch die Qualifikation kämpfte, greift nun in der ersten Runde gegen Matteo Arnaldi an. Für ihn ist die Bühne frei. Altmaier musste sie leider früh verlassen.
Auch in Almaty gab es für Tennisfans aus Deutschland wenig zu feiern. Der 22-jährige Marko Topo, aktuell auf Platz 277 der Weltrangliste, verpasste trotz starker Qualifikation erneut den lang ersehnten Premierensieg auf ATP-Niveau. Gegen den Australier Aleksandar Vukic zeigte der Münchner gute Ansätze, kämpfte sich nach verlorenem ersten Satz zurück und gewann den zweiten Durchgang mit 6:3. Doch dann war der Akku leer. Er verlor den Entscheidungssatz mit 1:6 und kassierte seine sechste Erstrundenniederlage im sechsten Hauptfeld-Auftritt.
Topo, der bislang hauptsächlich auf der Challenger-Tour unterwegs ist, scheint an der Schwelle zwischen Talent und Durchbruch zu stehen, doch genau dort bleibt er seit Jahren hängen. „Er hat die Power, aber ihm fehlt noch die Konstanz“, hieß es zuletzt aus seinem Umfeld. In Almaty bestätigte sich dieses Bild: starke Phasen, aber kein kompletter Matchplan. Vielleicht ist es eine Frage der Erfahrung, vielleicht auch eine mentale Sache.
Ein ganz anderer Ton erklang derweil wieder in Brüssel, und zwar aus den Schlägern von Botic van de Zandschulp. Der Niederländer, der lange von Verletzungen und Formkrisen geplagt war, meldete sich mit einem eindrucksvollen 7:5, 7:6 (2)-Sieg über den jungen Brasilianer Joao Fonseca zurück. Van de Zandschulp, der mit einem neuen Coach zusammenarbeitet, drehte in beiden Sätzen einen Rückstand, schlug 32 Winner und gewann 88 Prozent seiner Punkte beim ersten Aufschlag. Damit lieferte er eine Machtdemonstration nach fünf verlorenen Matches in Serie ab.
„Ich habe unglaublich gut serviert und in den wichtigen Momenten einen kühlen Kopf bewahrt“, sagte der aktuell auf Platz 86 der Weltrangliste stehende Spieler. Nach Wochen der Unsicherheit scheint er endlich wieder Freude am Spiel zu haben – und wer weiß, vielleicht trägt ihn dieses Gefühl noch weit, womöglich bis zur Rückkehr auf große Bühnen wie die French Open im kommenden Jahr.
Sein nächster Gegner ist der amerikanische Qualifikant Eliot Spizzirri, der Pedro Martinez souverän mit 6:4, 6:1 besiegte. Auch hier könnte sich ein spannendes Match anbahnen. Es wäre der Kampf zweier Spieler, die etwas zu beweisen haben.
Und so bleibt dieser Turniertag ein Spiegel des Tennis selbst: Freude und Frust, Aufbruch und Abschied, Licht und Schatten. Für Altmaier und Topo ist es möglicherweise ein Dämpfer. Doch die Saison ist noch nicht vorbei. Und wer weiß: Vielleicht ist der nächste Sieg nur ein Tiebreak entfernt.
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