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Tennis
  1. TENNIS

Alcaraz wirft Rublev raus

Carlos Alcaraz startet zäh, doch am Ende dreht der Titelverteidiger richtig auf. Gegen Rublev zeigte er sein bestes Wimbledon-Match und machte klar: Er ist bereit für mehr.

Manchmal braucht es im Tennis einen Satz zum Aufwachen. Carlos Alcaraz gönnte sich gegen Andrey Rublev gleich einen, doch danach zündete der Spanier auf dem heiligen Rasen von Wimbledon den Turbo. Der zweimalige Titelverteidiger wankte zu Beginn gewaltig, feierte am Ende aber mit 6:7 (5), 6:3, 6:4, 6:4 nicht nur seinen 22. Sieg in Folge auf der Tour, sondern schickte auch eine unmissverständliche Botschaft an den Rest des Feldes: Wer den Pokal will, muss erst an ihm vorbei.

Das Duell zwischen Alcaraz und Rublev war nicht nur das erste Aufeinandertreffen zweier Top-20-Spieler in diesem Herrenturnier, sondern auch eine Machtdemonstration in Sachen Comeback-Qualitäten. Rublev startete wie ein D-Zug, drückte mit seiner brutalen Vorhand und schien den Spanier in den Seitenlinien begraben zu wollen. Doch genau in solchen Momenten wird Alcaraz gefährlich.

„Andrey ist vielleicht der kraftvollste Spieler auf der Tour”, sagte Alcaraz nach dem Match, sichtlich erleichtert und stolz. „Er zwingt dich, bei jedem Ball bis ans Limit zu gehen.“ Und Alcaraz ging Seite an Seite, Punkt für Punkt. Dass er den ersten Satz noch aus der Hand gab, nachdem er im Tiebreak bereits 5:3 vorne gelegen hatte, juckte ihn kaum. „Tennis kann in einem einzigen Punkt kippen“, erklärte der 22-Jährige später. Gesagt, getan.

Der Wendepunkt kam im zweiten Satz, als Alcaraz im achten Spiel das entscheidende Break schaffte. Plötzlich lief der Motor rund, seine Bewegungen wurden flüssiger und seine Schläge präziser. Von da an gab er Rublev in jedem der folgenden Sätze genau ein Break, was reichte. Vor allem ein Punkt dürfte den Fans noch lange in Erinnerung bleiben. Beim Stand von 3:3 im dritten Satz sprintete Alcaraz einem knallharten Rückhandschlag von Rublev hinterher und zauberte im Lauf einen sensationellen Vorhand-Passierball über das Netz. Der Center Court tobte.

Alcaraz spielte fortan wie entfesselt. Er schlug 41 Winner, Rublev nur 29, und gewann 82 Prozent der Punkte hinter dem ersten Aufschlag. Wimbledon sah an diesem Abend den Champion, den es kennt. Und das, obwohl Alcaraz in den ersten Runden alles andere als souverän gewirkt hatte. Gegen Fabio Fognini musste er über fünf Sätze gehen und auch gegen Jan-Lennard Struff verlor er einen Satz. Dass er nun Rublev in vier Sätzen ausschaltete, dürfte auch psychologisch ein wichtiger Moment sein.

Es war sein erster Major-Sieg gegen Rublev überhaupt und gleichzeitig sein achter Sieg in Serie gegen einen Top-20-Spieler. Insgesamt liest sich die Grand-Slam-Bilanz des Spaniers gegen diese Kategorie beeindruckend: 23 Siege bei nur neun Niederlagen. Alcaraz schrieb zudem Geschichte, denn er gehört jetzt zu den wenigen aktiven Spielern, die bei allen vier Grand Slams mehrfach das Viertelfinale erreicht haben.

Doch bevor Wimbledon endgültig zum Alcaraz-Fest wird, wartet im Viertelfinale mit Cameron Norrie ein weiterer starker Gegner. Der Brite rang Nicolas Jarry in einer epischen Schlacht in fünf Sätzen nieder, nach viereinhalb Stunden! Heimvorteil hin oder her, Alcaraz wirkt inzwischen bereit für den nächsten Schritt. Sein Ziel ist klar: Nach seinem Triumph bei den French Open möchte er auch Wimbledon gewinnen. Ein Kunststück, das in der Open Era bisher nur Björn Borg in aufeinanderfolgenden Jahren gelang.

Der Rest des Feldes sollte sich warm anziehen. Der Rasenkönig ist erwacht Wimbledon darf sich auf ein heißes Finale freuen.

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