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Alcaraz stürzt Sinner in New York

Ein episches Finale, zwei Rivalen, ein Thronwechsel: Carlos Alcaraz hat Jannik Sinner im Endspiel der US Open entmachtet und sich mit einer Machtdemonstration die Nummer eins der Welt zurückgeholt.

New York liebt große Geschichten und die, die sich am Sonntag im Arthur Ashe Stadium abspielte, könnte kaum passender sein. Carlos Alcaraz, der spanische Wunderknabe mit dem Dauerlächeln und den Stahlmuskeln, hat Jannik Sinner nicht nur den Titel der US Open entrissen, sondern ihm auch gleich die 65-wöchige Regentschaft an der Spitze der ATP-Weltrangliste beendet. Mit 6:2, 3:6, 6:1, 6:4 setzte sich Alcaraz in einem intensiven Finale durch und krönte sich zum zweiten Mal in Flushing Meadows zum Champion.

Es war das dritte Grand-Slam-Endspiel in Folge, in dem die beiden Ausnahmeathleten aufeinandertrafen und erneut war es ein Schlagabtausch voller Tempo, Kraft und Taktik. Wer auch nur einen Ballwechsel verfolgt hat, konnte spüren, wie sich hier eine Rivalität aufbaut, die das Tennis der kommenden Jahre prägen wird. Und doch hatte Alcaraz das Match abgesehen vom zweiten Satz fest im Griff.

Mit 42 direkten Gewinnschlägen gegenüber nur 21 von Sinner diktierte der 22-Jährige das Geschehen, dominierte mit seinem Service und blieb fast unantastbar. Im gesamten Turnier verlor er nur drei Aufschlagspiele, was zuletzt nur Pete Sampras in seinen besten Wimbledon-Jahren gelang. Beeindruckender kann man kaum dokumentieren, dass man auf Hartplatz der Maßstab ist.

„Alles, was ich erreiche, gehört auch meinem Team und meiner Familie“, sagte Alcaraz mit Tränen in den Augen bei der Siegerehrung. Worte, die weniger nach einer Pflichtübung klangen, sondern nach echter Dankbarkeit. Sinner wiederum zeigte Größe in der Niederlage, gratulierte fair und würdigte die Leistung seines Rivalen: „Heute warst du besser, genieße diesen Moment.“

Dabei war der Italiener selbst nicht weit von einem historischen Coup entfernt. Nach seinen Triumphen bei den Australian Open und Wimbledon stand er in diesem Jahr zum vierten Mal in einem Major-Finale als jüngster Spieler der Open Era. Selbst bei den French Open, wo er gegen Alcaraz drei Matchbälle hatte, fehlten nur wenige Punkte zur Vollendung eines Traumsommers. Doch an diesem Abend in New York konnte Sinner sein bestes Tennis nur phasenweise zeigen.

Schon zu Beginn setzte Alcaraz die Akzente und zwang Sinner mit frühem Druck zu ungewohnt vielen Fehlern. Zwar gelang es dem Südtiroler im zweiten Satz, die Kontrolle zu übernehmen und Alcaraz mit präzisem Grundlinienspiel zurückzudrängen. Doch statt den Schwung zu nutzen, brach er im dritten Durchgang ein: Alcaraz fegte über ihn hinweg, gewann elf Gewinnschläge bei nur einem von Sinner, und spielte wie im Rausch.

Der vierte Satz wurde zum erwarteten Nervenkrimi. Als Alcaraz im fünften Spiel jedoch das entscheidende Break schaffte, war der Widerstand gebrochen. Sinner mühte sich ab, kämpfte und motivierte sich immer wieder selbst, doch der Spanier ließ nicht mehr locker. Nach 2 Stunden und 42 Minuten riss er die Arme hoch. Der neue, alte König von New York.

Das Endspiel hatte alles: Prominenz auf den Tribünen, von Steph Curry bis Bruce Springsteen, Verzögerungen durch Sicherheitsmaßnahmen wegen der Anwesenheit von US-Präsident Donald Trump und schließlich dieses Duell zweier junger Gladiatoren, das die Zukunft des Tennis verheißt.

Alcaraz Triumph bedeutet mehr als nur einen weiteren Pokal. Es ist die Rückkehr an die Spitze, exakt 22 Jahre nach dem Tag, an dem sein Coach Juan Carlos Ferrero selbst die Nummer eins der Welt wurde. Für Alcaraz ist es bereits der sechste Grand-Slam-Titel, schneller schaffte das in der Open Era nur Björn Borg. Und vielleicht ist genau das der spannendste Gedanke: dass diese Rivalität mit Sinner gerade erst begonnen hat.

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