Carlos Alcaraz ist holprig in die Mission Titelverteidigung in Wimbledon gestartet und musste gegen den alternden Magier Fabio Fognini über fünf Sätze gehen.
Ein perfekter Rasen, flimmernde Luft und ein 38-jähriger Italiener, der das große Tennis noch einmal aufflammen lässt. Wimbledon 2025 hat seinen ersten Thriller, und Carlos Alcaraz hat gerade so die Hauptrolle behalten. Gegen Fabio Fognini, der zum letzten Mal den Centre Court betrat, musste der Titelverteidiger alles aufbieten, um einen Fehlstart zu verhindern.
Mit 7:5, 6:7 (5), 7:5, 2:6, 6:1 setzte sich Alcaraz nach über vier Stunden durch und sicherte sich damit nicht nur den Einzug in die zweite Runde, sondern auch seinen 14. Fünfsatzsieg in 15 Versuchen.
Dabei war dieser Montag mehr als nur ein zähes Pflichtprogramm. Es war ein Tanz auf dem Drahtseil gegen einen Mann, den viele schon abgeschrieben hatten. Fognini, der drittälteste Spieler im Feld, der zuletzt zehn Erstrundenniederlagen in Folge kassiert hatte, spielte mit der Sorglosigkeit eines Mannes, der nichts mehr zu beweisen hat und brachte den Champion ernsthaft ins Wanken.
Alcaraz, der nach seinem Triumph bei den French Open nun den seltenen Doppelschlag aus Sand und Rasen in aufeinanderfolgenden Jahren schaffen will, wirkte lange nicht wie der dominante Weltranglistenzweite, als den man ihn kennt. Zwar rettete er sich durch den ersten Satz, doch 20 unerzwungene Fehler im zweiten Durchgang ließen Fognini ausgleichen und das Publikum in helle Aufregung geraten.
Im dritten Satz dann die fast vollzogene Wende. Alcaraz ging in Führung, zauberte Lobs, hechtete übers Gras. Nur um dann doch wieder eingebremst zu werden. Fognini zog sein Spiel auf wie ein alter Meister, gewann einen Punkt, der wohl jetzt schon als „Punkt des Turniers“ gehandelt werden darf, und zeigte dabei Volley, Smash und Siegerpose.
Es wurde dramatisch, es wurde heiß und es wurde immer emotionaler. Als Fognini im vierten Satz aufdrehte und mit 14 Winnern das Match in den Entscheidungssatz zwang, war nicht mehr sicher, wer hier eigentlich der Titelverteidiger ist. Doch Alcaraz, der sich auf seinen Kampfgeist verlassen kann wie auf ein Uhrwerk, zog im letzten Satz das Tempo an und schaltete den Italiener endgültig aus.
„Ich weiß nicht, warum das sein letztes Wimbledon sein soll, bei dem Niveau kann er noch Jahre spielen“, lobte Alcaraz seinen Gegner nach dem Match. Und tatsächlich: Wenn man Fognini dabei zusieht, wie er Bälle durch die flirrende Londoner Hitze peitscht, vergisst man für einen Moment, dass er nicht mehr zur nächsten Generation gehört, sondern zu deren Inspiratoren.
Dass es am Ende doch Alcaraz war, der jubelte, lag weniger am Talent als an den Nerven. Im ersten Satz wurde kein Breakpoint abgegeben und im Fünften keine Chance liegengelassen. Genau die Qualitäten, die ihm im Finale der French Open gegen Jannik Sinner den Titel gesichert hatten.
Alcaraz hat nun 15 Wimbledon-Siege in Folge erreicht und trifft in der zweiten Runde auf den britischen Qualifikanten Oliver Tarvet, der mit einem glatten Dreisatzerfolg gegen Leandro Riedi auf sich aufmerksam gemacht hat. Es wäre eine Überraschung, wenn Tarvet den Titelverteidiger in ähnlichen Stress bringen würde wie Fognini, aber Wimbledon hat ja seine ganz eigenen Gesetze.
Mit dem Rückenwind von 18 Siegen in Folge, darunter Titel in Monte Carlo, Rom, Queen’s und Paris, ist Alcaraz klar auf Kurs. Auch wenn dieser Auftakt mehr Mahnung als Machtdemonstration war, ist er auf dem richtigen Weg. Die Leichtigkeit und die Präzision müssen zurückkehren. Dass er auf Gras gewinnen kann, hat er bewiesen. Aber die Konkurrenz schläft nicht: Sie war gestern ganz in Weiß und 38 Jahre alt.
Am Ende war es nicht nur ein Sieg für Alcaraz, sondern auch ein würdiger Abschied für Fabio Fognini: mit Standing Ovations, Applaus aus der Royal Box und einem Center Court, der sich noch lange an diesen heißen Montag erinnern wird.
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