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Olympia/Tennis
  1. TENNIS

Alcaraz auf Titelkurs

Titel-Hattrick? French-Open-Doppel? Carlos Alcaraz schreibt in Wimbledon Geschichte und nimmt dabei einen Lokalhelden gnadenlos auseinander.

Es gibt Momente, in denen selbst das begeisterte Heimpublikum verstummt. Ein solcher Moment ereignete sich am Dienstag, als Carlos Alcaraz auf dem heiligen Rasen des Centre Courts zeigte, warum er als der neue Dominator des Tennissports gilt. In nur 99 Minuten schickte der 22-jährige Spanier den britischen Hoffnungsträger Cameron Norrie mit 6:2, 6:3, 6:3 vom Platz, ohne auch nur einen eigenen Aufschlag abzugeben. Die Traumreise des Lokalmatadors endete jäh. Doch für Alcaraz beginnt der nächste Angriff auf den Wimbledon-Thron.

„Es ist einfach etwas ganz Besonderes, wieder im Halbfinale zu stehen“, strahlte Alcaraz nach seinem überzeugenden Auftritt. „Das war mein Ziel zu Beginn der Woche, und ich bin wirklich glücklich über das Niveau, das ich heute gegen einen so starken Gegner wie Cameron zeigen konnte. Ich bin sicher, dass kaum jemand so hart arbeitet wie er.“

Doch allein mit harter Arbeit ist es gegen Alcaraz eben nicht getan. Während Norrie auf Beharrlichkeit und lange Ballwechsel setzte, konterte der Spanier mit Mut, Tempo und Cleverness. Immer wieder zog es Alcaraz ans Netz, wo er fast unbezwingbar war. 14 von 16 Netzangriffen verwandelte er erfolgreich. Dazu servierte er extrem stark, gewann 89 Prozent seiner Punkte beim ersten Aufschlag und schlug zwölf Asse.

Der Lohn? Der 23. Tour-Sieg in Folge und die dritte Wimbledon-Halbfinal-Teilnahme in Serie. Damit reiht sich Alcaraz in eine elitäre Liste ein, in der bislang nur Novak Djokovic vertreten war. Der Serbe hält bereits sieben Wimbledon-Titel, doch Alcaraz ist drauf und dran, ihm nachzueifern.

Nun wartet im Halbfinale Taylor Fritz. Der US-Amerikaner reist mit breiter Brust an: In Eastbourne holte er bereits seinen vierten Titel auf Rasen und triumphierte auch in Stuttgart. Mit neun Siegen in Serie auf Rasen ist Fritz in Topform. Und doch spricht die Bilanz klar für Alcaraz: zwei Duelle, zwei Siege.

„Taylor spielt großartig“, zollte Alcaraz seinem kommenden Gegner Respekt. „Zwei Titel, Halbfinale hier, das wird ein harter Kampf. Aber ich werde bereit sein.“ Dennoch betonte er mit einem Lächeln, dass er den Moment erst einmal genießen wolle: „Solche Halbfinals in Wimbledon sind einfach nicht selbstverständlich.“

Und während Alcaraz in dieser Wimbledon-Ausgabe die Nummer 1 der Welt, Jannik Sinner, zwar nicht überholen kann, hat er ein anderes großes Ziel fest im Blick: Den Titel-Hattrick in Wimbledon und den historischen „French Open–Wimbledon“-Doppelpack in zwei Jahren hintereinander. Eine Leistung, die in der Open Era bislang nur Björn Borg gelang.

Die Fans dürfen sich also auf ein Halbfinale voller Spannung freuen. Kann der Spanier seinen Traum vom dritten Wimbledon-Coup weiterleben oder wird Fritz zum Spielverderber-Star? Eines ist sicher: Der Titel des Königs des Rasens wird hart umkämpft sein.

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